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Wird China in Nordkorea aufstehen?

Am 1. Oktober 1949, als die besiegten Kuomintang-Truppen von Chiang Kai-chek nach Taiwan flohen, erklärte Mao Tsetung, sei China "auferstanden". China ist tatsächlich auferstanden und wächst noch immer als eine der größten Volkswirtschaften der Welt. Allein im letzten Jahr ging ca. 60% des weltweiten Exports auf das Konto Chinas. Aber in einer Krise ist das Land ein diplomatisches Fliegengewicht.

Nirgends trifft dies mehr zu als in Chinas eigenem Hinterhof. Pekings bisheriges Schweigen zu den nuklearen Ambitionen von Nordkorea wirft bei US-amerikanischen, japanischen und südkoreanischen Politikern gleichermaßen die Frage auf, wann es "aufstehen" und seinen Einfluss über seinen Nachbarn und ehemaligen Verbündeten geltend machen wird.

Ein Grund für Chinas Untätigkeit in der gegenwärtigen Krise ist, dass es als einziges der großen Länder der Welt eine echte "zwei-Korea"-Politik betreibt. Seitdem China Anfang der 90er Jahre diplomatische Beziehungen zu Südkorea aufnahm, haben die wirtschaftlichen und kulturellen Verbindungen stark zugenommen. China hat auch die Annäherungsversuche des scheidenden Präsidenten Kim Dae Jung im sicherheitspolitischen Bereich erwidert, trotz des strategischen Bündnisses Südkoreas mit den USA.

Aber mit der Anerkennung Südkoreas war China großzügiger als zum Beispiel Russland, indem es versuchte, das besorgte Nordkorea zu beschwichtigen. China ist Nordkoreas wichtigster Handelspartner, mit einem Umsatz von über 700 Millionen Dollar in 2002, was gegenüber 2001 eine Zunahme von 30% bedeutet. China soll dem Norden ca. 70% seines Öls liefern und hat seinen Absatz von Getreide und Gemüse verdoppelt. China verspricht dem Norden zwar keine militärische Unterstützung mehr (es sei denn, es wird angegriffen), stattdessen hat man sich aber verpflichtet, "Konsultationen" durchzuführen.