the iron throne Vickie Flores/ZumaPress

Warum wir „Game of Thrones“ brauchen

PARIS – Die heutigen populären Fernsehprogramme haben sich zu einem Äquivalent der Feuilletons entwickelt, die ab dem 19. Jahrhundert in den Zeitungen erschienen. Serien wie „Game of Thrones“ und „Downton Abbey“ dienen wie Balzac und Dickens vor ihnen als Quelle der Unterhaltung und als Diskussionsstoff. In diesem Sinne haben sich unsere Fernsehdrehbücher zu zentralen Instrumenten gesellschaftlicher und politischer Analyse entwickelt.

Man kann derartige Instrumente verwenden, um etwa den Unterschied zwischen dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und US-Präsident Barack Obama zu verstehen. Netanjahu ist noch immer in der dritten Stoffel von „Homeland“ gefangen – d. h. vom Iran besessen –, während Obama, der begonnen hat, die neuerliche russische Bedrohung in seine strategischen Berechnungen einzubeziehen, bereits den Schritt zur dritten Staffel von „House of Cards“ gemacht hat.

Natürlich wurzelt die Verfügbarkeit derartiger Vergleiche in etwas, das häufig die Popularität einer Fernsehserie mit ausmacht: ihrer Fähigkeit, einer Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten – ihre Ängste und Sehnsüchte widerzuspiegeln – und ein Fenster zu schaffen, durch das Außenstehende einen Blick hinein erhaschen können.

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