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Warum die US-Notenbank Zinserhöhungen hinausschieben sollte

JACKSON HOLE, WYOMING: Wenn in dieser Woche Notenbanker aus aller Welt in Jackson Hole zum jährlichen wirtschaftspolitischen Symposium der US-Notenbank (Fed) zusammenkommen, werden ein zentrales Thema der Diskussionen die aktuellen Turbulenzen an den weltweiten Aktienmärkten sein. Für diese gibt es viele Gründe, und die Erwartung, dass die Fed – vielleicht schon im September – Zinsenerhöhungen einleiten könnte, ist eindeutig einer davon.

Die Argumente für eine Zinserhöhung sind stichhaltig. Die US-Volkswirtschaft gewinnt an Fahrt. Der Internationale Währungsfonds prognostiziert für 2015 und 2016 ein jährliches Wachstum von 3%, bei damit einhergehenden Inflationsraten von 0,1% bzw. 1,5%. Wenn sich die Lage in einer Volkswirtschaft normalisiert, ist es vernünftig, Maßnahmen zur Lockerung der Geldpolitik, so wie sie im Gefolge der Krise von 2008 eingeleitet wurden, zurückzufahren. Und da die Fed eindeutig kommuniziert hat, dass sie die geldpolitischen Zügel allmählich straffen wird, würde ihre Glaubwürdigkeit beschädigt, wenn sie ihren Worten nicht Taten folgen ließe.

Doch es gibt starke Gründe dafür, warum die Fed Zinserhöhungen hinausschieben und in den kommenden Monaten weiter eine lockere Geldpolitik verfolgen sollte. Zunächst einmal bleibt der Aufschwung in den USA schwach. Historisch ist ein Wachstum von 3% in einer Aufschwungsphase alles andere als beeindruckend. In anderen derartigen Phasen der letzten Zeit erreichte das Wachstum, wenn die zunehmende Kapazitätsauslastung Produktivität und Investitionen in die Höhe trieb, häufig 4% oder gar 5%.

Während der vergangenen drei Jahrzehnte wies das Wachstum in den USA durchschnittlich eine Jahresrate von rund 2,5% auf. Einige führen das relativ langsame Wachstum auf demografische Faktoren zurück, durch die sich die Erwerbsbevölkerung reduziert habe, sowie auf ein niedriges Produktivitätsniveau.