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Der Angstfaktor der Bankenreform

WASHINGTON, DC – Fast fünf Jahre nach der schlimmsten Finanzkrise seit den 1930ern und drei Jahre nach der Verabschiedung der Dodd-Frank-Finanzreformen in den Vereinigten Staaten fragen sich alle nur das eine: Warum haben wir so wenig Fortschritte gemacht?

Es wurden neue Regeln versprochen, aber tatsächlich umgesetzt wurden kaum welche. Bis jetzt gibt es keine „Volcker-Regel“ (die den Eigenhandel der Banken begrenzt), die Regeln für Derivate sind immer noch in Arbeit, und die Geldmarktfonds sind nach wie vor nicht reformiert. Schlimmer noch, unsere größten Banken sind noch größer geworden. Nichts deutet darauf hin, dass sie die Anreizstruktur aufgegeben hätten, die das Eingehen übermäßiger Risiken belohnt. Und dass Banken zu groß sind, um sie bankrott gehen zu lassen, führt in vielen Volkswirtschaften immer noch zu Verwerfungen.

Für diese und andere Fehlschläge gibt es drei mögliche Erklärungen: Eine besteht darin, dass Finanzreformen grundsätzlich kompliziert sind. Aber obwohl viele Details beachtet werden müssen, arbeiten doch in den betreffenden Regulierungsbehörden einige der klügsten Menschen der Welt. Für sie ist es ein Leichtes, Regeln aufzustellen und durchzusetzen – aber nur, wenn das ihr Auftrag ist.

Die zweite Erklärung handelt von den Konflikten zwischen Behörden mit sich überschneidenden Zuständigkeitsbereichen, sowohl innerhalb der Länder als auch international. Auch hier findet sich etwas Wahrheit, aber es gab selbst bei den komplexesten Themen auch gute Koordination– wie zu der Frage, über wie viel Eigenkapital große Banken verfügen müssen oder wie die mögliche Insolvenz solcher Institute gehandhabt werden sollte.