Paul Lachine

Bleibt der Staatskapitalismus Sieger?

CAMBRIDGE – In dem jahrhundertealten Wettstreit der Wirtschaftswachstumsmodelle scheint der Staatskapitalismus in den letzten Jahren die Oberhand zu behalten. Paradebeispiele des liberalen Kapitalismus wie die Vereinigten Staaten oder Großbritannien wiesen auch 2012 ein anämisches Wachstum auf, während viele asiatische Länder, deren Wirtschaftssysteme auf verschiedenen Formen des Dirigismus beruhen, in den letzten Jahrzehnten nicht nur rasch und beständig wachsen, sondern auch die jüngsten wirtschaftlichen Turbulenzen mit erstaunlicher Mühelosigkeit überstanden haben. Ist es also Zeit, die Lehrbücher der Wirtschaftswissenschaften anzupassen?   

Tatsächlich besagt die Wirtschaftswissenschaft nicht, dass ungezügelte Märkte besser seien als staatliche Intervention oder gar Staatskapitalismus. Die Probleme mit dem Staatskapitalismus sind primär politischer und nicht ökonomischer Natur.  Jede Ökonomie der realen Welt ist häufig mit Marktversagen konfrontiert und eine wohlwollende und allmächtige Regierung könnte sinnvollerweise häufig intervenieren. Aber wer hat schon jemals eine wohlwollende und allmächtige Regierung gesehen?

Um die Logik des Staatskapitalismus zu verstehen, empfiehlt sich das Studium einiger früherer Beispiele –  dabei geht es jedoch nicht um die sozialistische Planwirtschaft oder moderne Gesellschaften, die danach trachten, Marktversagen zu bekämpfen, sondern um Zivilisationen des Altertums. Tatsächlich scheinen Formen des Staatskapitalismus, ebenso wie der Ackerbau oder die Demokratie, im Lauf der Weltgeschichte schon viele Male unabhängig voneinander erfunden worden zu sein.  

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