Warum Castro überlebt

In einem Tanzstudio wirbelt ein junger kubanischer Ballettänzer durch die Luft und dreht sich, als ob irgendeine unsichtbare Kraft ihn in Bogenform halten würde. Dann springt er ohne Unterbrechung einmal, zweimal und mir verschlägt es angesichts der Höhe seiner grandes jetés den Atem. Und als sein gestreckter Vorfuß der Barre bedenklich nahe kommt, verschlägt es mir ein zweites Mal den Atem.

Willkommen in Kuba, einem Land das blendet und ernüchtert, wo man zwar Wunder und Monster, aber keine einfachen Antworten findet.

Die Kubaner erkennen diese Widersprüche ebenso schnell wie jeder Außenstehende. Und doch ist es unwahrscheinlich, dass die Kubaner Castro noch vor seinem Tod stürzen werden, obwohl der 77-jährige Diktator den Internetzugang beschränkt und jene wirtschaftlichen Erleichterungen wieder rückgängig macht, die Mitte der Neunzigerjahre des vorigen Jahrhunderts die selbständige Erwerbstätigkeit förderten.

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