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Sparmaßnahmen und Demoralisierung

NEW HAVEN – Die hohe Arbeitslosigkeit, die heute nicht nur in Europa und den Vereinigten Staaten herrscht, ist eine Tragödie - nicht nur wegen des damit einhergehenden Sozialprodukt-Verlustes, sondern auch wegen der persönlichen und emotionalen Kosten der Arbeitslosen, die nicht Teil der arbeitenden Bevölkerung sind.

Sparsamkeit verbessert laut deren Befürwortern angeblich die Moral. Einer von ihnen, der britische Premier David Cameron, glaubt daran, dass sein Programm die „Abhängigkeit von staatlichen Leistungen“ reduziere, eine Stringenz „wiederherstelle“ und die „Tatmenschen, die Kreativen und die Lebensbejahenden“ ermutige. Ähnlich sagt der US-Kongressabgeordnete Paul Ryan, sein Programm sei Teil eines Plans, „Kreativität und Unternehmergeist“ zu fördern.

Einige Sparmaßnahmen können tatsächlich dazu geeignet sein, die Moral zu stärken. Mönche finden ihren Lebensinhalt in einer kargen Umgebung, und militärische Ausbildungslager sollen den Charakter stärken. Aber die Art der fiskalischen Sparsamkeit, die praktiziert wird, führt erst einmal dazu, dass Menschen ihre Arbeitsplätze verlieren und ihr Leben mit nichts anderem füllen können als einem Gefühl der Ablehnung und der Ausgrenzung.

Sicher, eine kurze Zeit der Arbeitslosigkeit fördert vielleicht die Reflexion, führt zu einer Stärkung der persönlichen Beziehungen und einer Rückbesinnung auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Manche Ökonomen dachten sogar einmal, dass wir heute viel mehr Freizeit hätten. So spekulierte John Maynard Keynes in seinem Essay „Die wirtschaftlichenMöglichkeiten unserer Enkel“, dass innerhalb von 100 Jahren, also bis 2030, höhere Einkommen den durchschnittlichen Arbeitstag auf lediglich drei Stunden reduzieren würden und die Gesamtarbeitszeit pro Woche lediglich 15 Stunden betragen würde.