Paul Lachine

Warum Amerika arbeitslos ist

CAMBRIDGE –Während sich die US-Konjunktur dem zweiten Jahrestag der Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers entgegen schleppt, verharrt die Arbeitslosenquote aufgrund des schwachen Wachstums bei knapp 10% und die Aussichten für eine wesentliche Verbesserung in absehbarer Zeit stehen schlecht. Angesichts der im November bevorstehenden Zwischenwahlen im Kongress ist es also kein Wunder, dass die Amerikaner wütend fragen, warum die aggressiven Konjunkturprogramme der Regierung keine Kehrtwende bewirkt haben. Was kann, wenn überhaupt, noch getan werden?

Die ehrliche Antwort – die allerdings kaum ein Wähler hören will – lautet, dass es keine Wunderwaffe gibt. Es hat über zehn Jahre gedauert das Loch zu graben, in dem sich die Wirtschaft heute befindet, und es wird ebenfalls einige Zeit dauern wieder hinauszukommen. Carmen Reinhart und ich haben in unserem 2009 erschienen Buch über acht Jahrhunderte Finanzkrisen (mit dem ironischen Titel „Dieses Mal ist alles anders“) gewarnt, dass eine langsame, langwierige Erholung mit anhaltend hoher Arbeitslosigkeit in der Folgezeit einer schweren Finanzkrise die Norm ist.

Warum ist es so schwer nach einer Finanzkrise für eine schnelle Ankurbelung der Beschäftigung zu sorgen? Ein Grund ist natürlich, dass das Finanzsystem Zeit braucht, um sich zu regenerieren – und den Fluss von Krediten wieder richtig in Gang zu bringen. Gefräßige Finanzungeheuer mit umfangreichen Steuergeldern zu füttern löst nicht das tiefer liegende Problem eine überschuldete Gesellschaft zu kurieren. Die Amerikaner dachten die stetig steigenden Preise auf dem Immobilienmarkt würden alle finanziellen Sünden fortwaschen und haben bis zum Gehtnichtmehr Kredite aufgenommen und eingekauft. Der Rest der Welt ließ Geld in die USA fließen und es schien als hätte das alles keinen Preis.

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