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Wer übernimmt das Steuer bei der EZB?

TILBURG, NIEDERLANDE: Vor zwei Jahren galten die Vorsitzenden der Notenbanken weltweit als Helden wegen ihrer Bemühungen, die Verwandlung der Finanzkrise in eine Neuauflage der Großen Depression zu verhindern. Heute jedoch werden die Notenbanken scharf kritisiert, und ihre Unabhängigkeit gerät in vielen Ländern schwer unter Druck – insbesondere, wie Mario Draghi, Leiter der Bank von Italien, kürzlich betonte, in der Eurozone.

Welche Art Person bei einer Notenbank am Steuer steht, ist immer wichtig, jetzt jedoch mehr denn je, weil Finanzkrisen die Unabhängigkeit der Zentralbanken immer gefährden.

In den USA scheint die Federal Reserve nur noch von der Obama-Administration unterstützt zu werden – nicht gerade ein Grund, stolz zu sein. Der Kongress hat sich abwertend über das Krisenmanagement der Fed geäußert, und im Repräsentantenhaus übernimmt im Januar Ron Paul aus Texas, der schon die bloße Existenz der Fed für verfassungswidrig hält, den Vorsitz eines der wichtigen Aufsichtsausschüsse des Kongresses. Mehr als die Hälfte aller Amerikaner wünscht sich einen größeren Einfluss der Politik auf die Geldpolitik – angesichts ihrer historischen Bilanz eine furchteinflößende Aussicht.

In Anbetracht der Wahrscheinlichkeit einer langen Phase unterdurchschnittlichen wirtschaftlichen Wachstums, des zunehmendem Drucks auf die öffentlichen Finanzen in der Eurozone und der anhaltenden Debatte über die Zukunft des Euro ist die Europäische Zentralbank inzwischen mehr denn je zur letzten Verteidigungslinie für Europas gemeinsame Währung geworden. Gebraucht wird ein standfester EZB-Präsident, der nicht bereit ist, dem politischen Druck nachzugeben.