Werden Sozialwissenschaften noch benötigt?

Warum ist die Gefahr bei den Sozialwissenschaften so viel größer, die Haushaltsmittel beschnitten zu bekommen, als bei den beiden anderen großen Bereichen der akademischen Wissenschaft, den Geistes- und den Naturwissenschaften? Die frühere Britische Premierministerin Margaret Thatcher stellte bekanntlich immer wieder fest, das dieser Bereich gar nicht existiere: So etwas wie Gesellschaft gibt es nicht, behauptete sie. Andere verweisen auf die Umstrukturieren des Fachbereichs Sozialwissenschaft an den Universitäten. Doch die Ausbreitung so genannter Business Schools bezeugt nachweisbar die weiterhin bestehende Vitalität der Sozialwissenschaften.

Auch ist es nicht wahr, dass die Sozialwissenschaften das Offensichtliche bearbeiten, wie manchmal behauptet wird. Im Gegenteil, die heutigen Selbstverständlichkeiten waren gestern noch Neuerungen. Wenn Sie die Begriffe, die heute beim Abfassen von Zeitungsleitartikeln verwendet werden, mit denen von vor zehn oder mehr Jahren vergleichen, dann werden Sie die weitreichende, aber nicht zugegebene Wirkung der Sozialwissenschaften entdecken. Den Einfluss kann man bedauern, aber er sollte wenigstens wahrgenommen werden.

Wo stehen die Sozialwissenschaften noch in der breiten Diskussion über die "menschliche Natur", welche die jüngsten Fortschritte in der kognitiven Neurologie, der Verhaltensgenetik und Evolutionspsychologie ausgelöst haben? Besuchen sie nur einmal die gut ausgearbeitete und informative Website ( www.edge.org ), die sich der Förderung der "Dritten Kultur", die eine Brücke zwischen Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften schlägt, gewidmet hat. Sozialwissenschaftler glänzen hier durch Abwesenheit.

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