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Wer hat der Wall Street den Garaus gemacht?

CAMBRIDGE, MASS.: Es ist heute nicht gerade schweißtreibend, ein Finanzskeptiker zu sein. Darum sollten wir uns erinnern, wie bezwingend die Logik der Finanzinnovationen, die uns in die derzeitige missliche Lage gebracht haben, noch vor nicht allzu langer Zeit schien.

Wer würde denn nicht wollen, dass die Kreditmärkte der Sache des Wohnungseigentums dienen? Also beginnen wir damit, ein wenig echten Wettbewerb in das Hypothekengeschäft einzubringen. Wir gestatten es Nicht-Banken, Eigenheimkredite zu vergeben und erlauben ihnen, potenziellen Eigenheimbesitzern, die von konventionellen Verleihern nicht gut bedient werden, kreative, preiswertere Hypotheken anzubieten.

Dann ermöglichen wir, dass diese Kredite gebündelt und zu Wertpapieren verschnürt werden, die an Kapitalanleger verkauft werden können – und verringern so das Risiko. Wir gliedern die Zahlungsströme aus diesen Eigenheimkrediten in Tranchen mit unterschiedlichem Risiko und kompensieren die Inhaber der riskanteren Sorte mit höheren Zinsen. Anschließend fordern wir die Rating-Agenturen auf, uns zu bescheinigen, dass die weniger riskanten dieser hypothekenbesicherten Wertpapiere sicher genug sind, dass Pensionskassen und Versicherungsgesellschaften in sie investieren können. Und für den Fall, dass noch immer jemand nervös ist, schaffen wir Derivate, die es Anlegern ermöglichen, sich gegen Zahlungsausfälle der Aussteller dieser Wertpapiere zu versichern.

Selbst wenn Sie die Vorzüge von Finanzinnovationen herausstellen wollten, Sie könnten sich keine besseren Vorkehrungen ausdenken. Millionen armer und bisher ausgegrenzter Familien wurden dank ihnen zu Hausbesitzern, Investoren erzielten hohe Renditen, und die Finanzmittler strichen Gebühren und Provisionen ein. Es hätte wie ein Traum funktionieren können – und bis vor etwa anderthalb Jahren dachten viele Finanziers, Ökonomen und Politiker, dass es dies täte.