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Wer ist Gordon Brown?

Gordon Brown übernimmt jetzt also schließlich das Amt des britischen Premierministers von Tony Blair und ist damit an seinem Lebensziel angelangt, quasi von Rechtswegen. Und genau das ist auch schon sein erstes Problem. Er wurde nämlich von niemandem gewählt – nicht von der Labour Party und auch nicht von den britischen Wählern. Er tritt einfach nur ein Erbe an, von dem er schon lange der Meinung war, dass es ihm zustünde.

Wie aber wird Brown nun als neuer Regierungschef Großbritanniens Legitimität erlangen? Klar ist nur, dass es mit dieser Legitimität nicht klappen wird, wenn er den Menschen weiterhin das vorsetzt, was ihnen Blair in den letzten zehn Jahren aufgetischt hat.

Browns zweites Problem ist ein Spiegelbild des ersten. Nachdem er der Regierung Blair als hochrangiges Mitglied während ihrer gesamten Amtszeit angehörte, trägt er auch Verantwortung für alles, was Blair getan hat. Politische Kommentatoren konstatieren manchmal wesentliche Unterschiede in der grundlegenden politischen Haltung der beiden. In der Praxis aber blieb Brown im Schatten. Er erwies sich als geschickter Manager der Wirtschaft, zeigte sich jedoch im Hinblick auf entscheidende politische Fragen schweigsam und unergründlich und schien alles zu unterstützen, was Blair unternahm.

Wenn Brown Legitimität erlangen will, wird er mit etwas Neuem aufwarten müssen und das wird ihm nur gelingen, wenn er sich vom Vermächtnis Blairs klar und deutlich - also einigermaßen radikal – abgrenzt. Das wird nicht ganz einfach werden.