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Was nun, Pakistan?

LAHORE – Pakistan bleibt die nie endende Frage der Welt. Zum Jahresende 2010 plagen das Land weiterhin mehrere Ungewissheiten. Wie sie im nächsten Jahr bewältigt werden, wird nicht nur Pakistans unmittelbare Zukunft und seine langfristigen Aussichten bestimmen, sondern auch die Sicherheit der umliegenden Region sowie eines Großteils der Welt.

Es wurde – ohne Übertreibung – behauptet, dass Pakistan mit einer existenziellen Bedrohung konfrontiert ist. Das Land hat noch keine einheitliche Haltung denen gegenüber, die sowohl innerhalb Pakistans als auch im Ausland von Terrorismus Gebrauch machen, um ihre Ziele voranzutreiben. Der Idee, den Taliban-Kämpfern, die in Afghanistan gegen amerikanische und NATO-Truppen kämpfen, Zufluchtsorte auf seinem Territorium zu verweigern, fühlt es sich nach wie vor nicht verpflichtet. Die Beziehungen zu Indien haben sich in den letzten Monaten verschlechtert, weil die pakistanische Regierung wieder einmal die Unruhen im von Indien kontrollierten Kaschmir diplomatisch unterstützt.

Der Terrorismus innerhalb Pakistans hat einen hohen menschlichen und wirtschaftlichen Preis gefordert. Er bekämpft nicht mehr gezielt die offizielle Unterstützung der von den USA angeführten Antiterroraktivitäten. Sunnitische Extremisten nehmen jetzt Minderheiten sowie andere muslimische Sekten ins Visier. Etwa 800 liberale und sufistische islamische Gelehrte sind bei gezielten Anschlägen extremistischer Gruppen umgekommen, die von Gleichgesinnten im Nahen Osten finanzielle Unterstützung erhalten, ferner wurden einige bekannte und viel besuchte sufistische Schreine mit Bombenanschlägen angegriffen.

Die Wirtschaft liegt in Scherben und ist nicht in der Lage, die Forderungen des Internationalen Währungsfonds für eine weitere Förderung zu erfüllen. Wenn der IWF sein aktuelles Programm beendet, wird Pakistan seine Auslandsschulden nicht mehr bedienen können. Stattdessen schlug ein hoher Kabinettsminister vor kurzem vor, die internationale Gemeinschaft solle Pakistan seine Schulden erlassen – einen Betrag, der auf 40 Milliarden US-Dollar geschätzt wird. Der Finanzminister wies diesen Vorschlag am Folgetag vehement zurück und gab zu verstehen, die Regierung habe keine einheitliche Haltung zur strauchelnden Wirtschaft ausgearbeitet.