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Wo sind Europas Optimisten?

Die Europäische Union ist eine derartige Erfolgsgeschichte, dass man sich anlässlich ihres 50. Gründungsjubiläums eigentlich Freudentänze auf den Straßen erwartet hätte. Doch leider waren nur anhaltende Lamentos darüber zu vernehmen, dass es nicht gelang, eine politische Union zu etablieren, eine Verfassung anzunehmen, globale Führerschaft zu übernehmen, Visionen zu formulieren, wirtschaftliche Reformen umzusetzen und so weiter und so fort. „Die EU ist auf Autopilot, in der Sackgasse, in einer tiefen Krise“, behauptet Joschka Fischer, ehemaliger deutscher Außenminister und eine bedeutende Stimme in Europa.

Doch diese Angst und dieses Händeringen sind einfach unbegreiflich. Man denke an Deutschland. Nach dem zweiten Weltkrieg ein besiegtes, danieder liegendes Land, mit der Geschichte eines fehlgeleiteten Nationalismus, ist es heute vollständig rehabilitiert und genauso europäisch und demokratisch wie jedes andere EU-Mitglied – und hat sich überdies unter Führung von Angela Merkel seinen Platz als wichtigstes europäisches Land erobert.

Für diese Wandlung gebührt der EU großes Lob. Nach dem Krieg war es das oberste Ziel der EU in Deutschland den Nationalismus einzudämmen und den Regionalismus zu fördern. Dieses Kunststück gelang zum Vorteil aller Europäer. Sollten sie – und andere – diesen wichtigen Erfolg nicht feiern, anstatt sich in defätistischen Debatten über Krisen und Stillstand zu ergehen?

Außerdem: Wo sind denn die vermeintliche Krise und der Stillstand? Ökonomisch betrachtet ging es der Eurozone im Jahr 2006 überaus gut und die meisten Experten prognostizieren für 2007 in Europa ein rascheres Wirtschaftswachstum als in den USA und das trotz der deutlichen Anhebung der Mehrwertsteuer in Deutschland.