Was ist in Argentinien schief gegangen?

Während sich die argentinische Wirtschaftslage in Demonstrationen auf den Straßen, Ausschreitungen wegen Lebensmitteln und politischem Tumult entlädt, legt das herkömmliche Verständnis nahe, dass die Schuld daran bei einer äußerst gefährlichen Kombination von leichtsinnigen Staatsausgaben und einem festen Wechselkurs zu suchen ist. Dieser Argumentation zufolge, haben hohe Haushaltsdefizite die Inlandsnachfrage verstärkt, was die Inflation ankurbelte und so zu einer realen Aufwertung des Peso führte, obwohl er an einen nominalen eins-zu-eins Wechselkurs gekoppelt war. Die einzige Hoffnung der Regierung, die wachsenden Staatsschulden zurückzahlen zu können war es, Barauszahlungen und Krediten einen deflationistischen Riegel vorzuschieben - ein Einbrechen der Produktionsleistung, der sprunghafte Anstieg der Arbeitslosigkeit und zivile Unruhen waren so fast unvermeidbar.

Diese Argumentation ist plausibel, da das Wechselkurses-Misalignment (Behinderung realistischer Kursanpassung) tatsächlich den Kern der Probleme Argentiniens bilden könnte (obgleich aus ganz anderen Gründen, auf die wir an dieser Stelle nicht näher eingehen werden - einer davon hat mit dem plötzlichen Versiegen von Kapitalflüssen zu tun). Aber fiskalische Verschwendung allein kann die Implosion Argentiniens nicht erklären.

Während der 90er Jahre war das argentinische Haushaltsdefizit nie höher als 2% des BIP. Eine Ausnahme bildete 1999 als es auf 2,5% stieg, bevor es im Jahr 2000 wieder auf 2,4% zurückging. Obwohl die Kreditaufnahme des öffentlichen Sektors die Auslandsverschuldung von 28,4% des BIP im Jahr 1991 auf 51,4% im Jahr 2000 steigen ließ, ist dies dennoch vergleichsweise gut, gemessen an Ländern, die für ihre fiskalische Integrität bekannt sind. Die Europäische Union etwa, verlangt von ihren Mitgliedsstaaten eine Begrenzung der Haushaltsdefizite und Staatsschulden auf 3% bzw. 60% des BIP. Hinzukommt, ähnlich wie bei der Dollarbindung Argentiniens, dass die meisten EU-Länder die Kontrolle über ihre Wechselkurse mit der Einführung des Euro aufgegeben haben. Trotzdem kommt niemand auf die Idee, dass Deutschland, Frankreich oder Italien ein ähnliches Schicksal wie Argentinien zu befürchten hätten.

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