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Was kommt nach dem Likud-Referendum?

Der Vorschlag von Ministerpräsident Ariel Sharon über einen einseitigen Rückzug Israels aus dem Gazastreifen und aus Teilen des Westjordanlandes wurde in einer internen Abstimmung seiner Likud-Partei mit einer derart überwältigenden Mehrheit abgelehnt, dass man von einer demütigenden Niederlage sprechen könnte. Dennoch wird der Ausgang des Referendums wahrscheinlich nur geringe bis gar keine Auswirkungen auf Sharons Absicht haben, seinen Plan doch noch in die Tat umzusetzen.

Dies scheint zunächst überraschend, da Sharon vor dem Referendum ankündigte, sich an das Ergebnis halten zu wollen. Aber Sharon ist 75 Jahre alt und wird sich wahrscheinlich innerhalb der nächsten zwei Jahre aus dem Amt zurückziehen. Er ist fest entschlossen, diesen Plan zu seinem politischen Vermächtnis zu machen. Da es sich bei dieser parteiinternen Abstimmung um ein einmaliges Ereignis handelte, kann er sich auf den Standpunkt stellen, dass dieses Votum für ihn nicht bindend ist.

Überdies sicherte sich Sharon die Zustimmung seiner schärfsten politischen Rivalen zu seinem Plan - vor allem die des früheren Ministerpräsidenten Benjamin (Bibi) Netanjahu. Damit stehen die Chancen von Sharons Gegnern in der Partei schlecht, ihn als Parteichef herauszufordern.

Während sich manche Parteimitglieder möglicherweise verabschieden werden, kann Sharon in seiner Partei leicht die Fäden in der Hand behalten. Überdies sind viele Unterstützer Sharons aufgrund der für sie fraglichen Kosten und Nutzen seines Plans der Abstimmung fern geblieben oder haben sogar dagegen gestimmt, möchten aber Sharon trotzdem weiterhin als Parteichef sehen.