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Die Ironie der Krise

MÜNCHEN – Trotz gewaltiger Rettungspakete gingen die  Zinsspreads in Europa in den letzten Wochen wieder deutlich in die Höhe. Die Märkte haben ihr Gleichgewicht noch nicht gefunden, und die Regierungen der südwestlichen Peripherie Europas beobachten das Geschehen mit wachsender Unruhe. Was nur ist los in Europa?

Die Rettungspakete wurden am Wochenende des 8.-9. Mai in Brüssel geschnürt. Zusätzlich zu dem 80-Milliarden-Euro-Paket, das bereits für Griechenland vereinbart war, stimmten die Länder der Europäischen Union einem Kreditrahmen von € 500 Milliarden für andere notleidende Länder zu. Der Internationale Währungsfonds steuerte weitere € 280 Milliarden bei.

Die treibende Kraft hinter den Beschlüssen war der französische Präsident Nicolas Sarkozy, der sich mit den Regierungschefs der südeuropäischen Länder abgesprochen hatte. Französische Banken, die übermäßig viele südeuropäische Staatsanleihen hielten, waren die hauptsächlichen Nutznießer der Rettungspakete.

Da über das zuvor vereinbarte griechische Paket hinaus keine weiteren Rettungsmaßnahmen auf der Tagesordnung für das Brüsseler Treffen standen, dachte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, sie könnte getrost nach Moskau fahren, um des Endes des Zweiten Weltkriegs zu gedenken – im Gegensatz zu Sarkozy, der die Einladung des russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin ausschlug. Und bekanntlich hatte es ja auch in der deutschen Delegation selbst unvorhergesehe Probleme gegeben, die niemand zu verantworten hatte.