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Was will Amerika?

Wenn die Staats- und Regierungschefs der reichsten Nationen der Welt im französischen Evian zusammentreffen, wird eine unausgesprochene Frage vorherrschen: was will Amerika in der Welt? Vielleicht hilft daher ein kurzer Abriss der Prinzipien und Ideen, an denen sich die US-Außenpolitik orientiert.

Zunächst einmal ist Widersprüchlichkeit kein Fehler. In der Außenpolitik ist sie sogar oft eine Tugend. Und die Rede ist nicht von Prinzipien, sondern von Politik. Die Haltung der USA gegenüber der Welt ist nicht einheitlich. Was im Irak geschehen ist, sollte nicht überinterpretiert werden als eine starre Schablone der US-Politik für Länder, die Massenvernichtungswaffen haben, Terrorismus unterstützen oder Menschen ihrer Freiheit berauben.

Im Irak haben die USA Gewalt als letztes Mittel angewandt, gegen ein erwiesenermaßen aggressives Land und nachdem ein hohes Maß an internationalem Konsens darüber erzielt worden war, welche Auflagen der Irak hätte erfüllen müssen. Unterschiedliche Politikansätze - maßgeschneidert für lokale, regionale und internationale Gegebenheiten - werden erforderlich sein, um den Herausforderungen zu begegnen, die Nordkorea, der Iran, Syrien oder andere Länder darstellen.

Die amerikanischen Streitkräfte sind ein wesentlicher Bestandteil dessen, was die USA international leistet. Aber Verteidigungspolitik ist nur ein Teil der Außenpolitik. Nicht jeder Bedrohung der nationalen Interessen Amerikas kann man mit militärischer Macht begegnen. Wenn man als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht jedes Problem aus wie ein Nagel, wie der Volksmund sagt. Und in der Außenpolitik wie beim Tischlern gilt: man braucht die richtigen Werkzeuge, wenn man Erfolg haben will.