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Was kann den Euro retten?

NEW YORK – Gerade, als es so schien, als könnten die Dinge nicht mehr schlimmer werden, scheint genau dies eingetreten zu sein. Nun müssen sogar einige der angeblich “verantwortungsvollen” Mitglieder der Eurozone höhere Zinssätze bezahlen. Auf beiden Seiten des Atlantiks diskutieren Wirtschaftswissenschaftler jetzt nicht mehr nur darüber, ob der Euro überleben wird, sondern auch darüber, wie man im Fall seines Zusammenbruchs das schlimmste Chaos verhindern kann.

Es wird immer offensichtlicher, dass die Politiker Europas trotz all ihrer Bekenntnisse zum Überleben des Euro nicht wirklich wissen, welche Maßnahmen zum Fortbestand der Einheitswährung erforderlich sind. Bei der Einführung des Euro wurde allgemein geglaubt, es werde nur Haushaltsdisziplin benötigt – relativ zum BIP sollte kein Land ein zu hohes Haushaltsdefizit oder zu hohe öffentliche Schulden haben. Aber vor der Krise hatten Irland und Spanien Haushaltsüberschüsse und niedrige Schulden, die sich dann schnell in hohe Defizite und Schuldenlasten verwandelten. Nun sind es die europäischen Leistungsbilanzdefizite, die nach Ansicht der europäischen Politiker unter Kontrolle gehalten werden müssen.

Wenn das so ist, scheint es seltsam, dass bei fortlaufender Krise die Vereinigten Staaten, die jahrelang ein enormes Leistungsbilanzdefizit hatten, zum sicheren Hafen für weltweite Investoren geworden sind. Wie also unterscheidet die Europäische Union zwischen “guten” Leistungsbilanzdefiziten – wo eine Regierung über die Schaffung förderlicher wirtschaftlicher Bedingungen ausländische Direktinvestitionen anzieht – und “schlechten” Defiziten? Um schlechte Leistungsbilanzdefizite zu verhindern, müsste deutlich stärker im privaten Sektor interveniert werden, als die neoliberalen und gesamtmarktfreundlichen Doktrinen, die zur Zeit der Einführung des Euro in Mode waren, vorgesehen hatten.

In Spanien beispielsweise floss Geld von privaten Banken in den privaten Sektor. Sollte sich die Regierung aufgrund solcher irrationaler Ausschweifungen gezwungen fühlen, wohl oder übel private Investitionen einzuschränken? Bedeutet dies, dass die Regierung entscheiden muss, welche Kapitalflüsse – vielleicht diejenigen in den Immobilienmarkt – schlecht sind und besteuert oder auf ähnliche Weise beschnitten werden müssen? Persönlich finde ich dies sinnvoll, aber den Befürwortern des freien Marktes in Europa müssen solche Maßnahmen ein Dorn im Auge sein.