0

Was das Chaos in Bolivien bedeutet

Der erzwungene Rücktritt des bolivianischen Präsidenten Gonzalo Sánchez de Lozada, nach einem Monat gewalttätiger Demonstrationen, stellt einen tragischen Meilenstein dar, dessen Bedeutung sich weit über sein verarmtes Land hinaus erstreckt. Der zivile und politische Zusammenbruch Boliviens ist ein weiteres anschauliches Beispiel für die Armut der amerikanischen Außenpolitik.

Sánchez de Lozada ist einer der wahren Helden Lateinamerikas, eine Führungspersönlichkeit, die während der vergangenen 20 Jahre, einschließlich zweier Amtszeiten als Präsident, half die Demokratie und bescheidenes wenn auch unsicheres Wirtschaftswachstum einzuleiten. Dennoch ist er jetzt aus Angst um sein Leben aus Bolivien geflohen. Amerikanische Arroganz und Vernachlässigung haben bei dieser unfassbaren Wende eine große Rolle gespielt.

Praktisch ganz Südamerika befindet sich in letzter Zeit in einem tiefen wirtschaftlichen Missstand, begleitet von hoher Arbeitslosigkeit, wachsender Armut und zunehmenden sozialen Unruhen. Argentinien hat während der vergangenen drei Jahre den wirtschaftlichen Zusammenbruch und vier gescheiterte Präsidentschaften durchgemacht. Brasilien kämpft gegen die Rezession und zunehmende Arbeitslosigkeit an. In Peru, Ecuador und Venezuela sind politische Systeme zerfallen. Kolumbien befindet sich in einem offenem Bürgerkrieg.

Als ein in den Anden gelegener Binnenstaat leidet Bolivien unter ganz speziellen Nöten. Durch das bergige Gelände und internationale Handelsrouten, die politische Grenzen überqueren müssen und von ausländischen Häfen abhängig sind, zählen seine Transportkosten zu den höchsten der Welt. Diese Umstände schrecken Investitionen aus dem Ausland ab und belasten die Beziehungen mit seinen an der Küste gelegenen Nachbarn.