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Wie denken Eigenheimkäufer?

Seit den späten 1990er Jahren kam es vielerorts zu einem Immobilienboom. Letztes Jahr wies ich in der zweiten Auflage meines Buches Irrationaler Überschwang darauf hin, dass ein derartiger Boom durch spekulative Investitionen gewöhnlicher Eigenheimkäufer ausgelöst wird. Diese rege Investitionstätigkeit wiederum liegt in der weltweit verbreiteten Vorstellung begründet, wonach der Kapitalismus gesiegt hätte und daher alle Menschen durch den Erwerb von Eigentum für ihr eigenes Fortkommen sorgen müssten. In der Überzeugung, dass Privatbesitz eine wesentliche Voraussetzung für ein angenehmes Leben ist, trieben die Eigenheimkäufer die Immobilienpreise in die Höhe.

Darüber hinaus bringt die Angst, den Boom zu versäumen, die Menschen dazu, die Immobilienpreise noch schneller in die Höhe zu treiben. Das scheint die Marktpsychologie in China und Indien zu sein, wo man davon ausgeht, dass stark steigende Einkommen und beruflich erfolgreiche Menschen Druck auf die Grundstücks-, Immobilien-, und Baumaterialmärkte ausüben. In den größeren Städten dieser Länder gibt es seit vielen Jahren einen Immobilienboom. In China verläuft der Preisanstieg trotz einiger Schwächezeichen – der Markt in Schanghai ist beispielsweise eingebrochen – in großen Teilen des Landes noch stabil.

Allerdings kann ein auf diesen Annahmen beruhender Boom nicht ewig anhalten, da Preise nicht ewig steigen können und es gibt bereits erste Anzeichen für ein böses Erwachen. In den Vereinigten Staaten wird seit ein paar Monaten in Zeitungen und Zeitschriften lautstark verkündet, dass der jahrzehntelange Boom bei den Eigenheimpreisen ein Ende nehmen und die Blase platzen könnte. Die Psychologie hat sich plötzlich verändert und damit verbreitet Ängste vor einem drastischen Fall der Immobilienpreise in den USA ausgelöst.

Auf dem neuen Futures-Markt für Einfamilienhäuser der Terminbörse Chicago Mercantile Exchange (an dessen Entstehung im letzten Mai ich mit unserer Firma MacroMarkets LLC mitwirkte) prognostiziert man bis August nächsten Jahres einen Preisverfall zwischen 6 und 8 % in allen zehn, an der Börse notierten US-amerikanischen Städten.