29

Die Politik der Islamophobie

NEW YORK – Viele Wege können in die politische Katastrophe führen: Gier, Selbstüberschätzung, das Charisma der Demagogen und auch die Angst. Letztere ist vielleicht am gefährlichsten von allen. Wenn Menschen in Panik geraten, verfallen sie gegebenenfalls in Hysterie, und die führt häufig zu Massengewalt. Wenn Politiker die Menschen überzeugen, dass sie sich in einem Kampf um Leben und Tod befinden – dass ihr Überleben eine Frage von „wir oder sie“ sei – ist alles möglich.

Adolf Hitler vereinte all diese Elemente der politischen Katastrophe: Selbstüberschätzung, Charisma, Gier und die Idee, dass sich „Arier“ und Juden in einen Kampf ums Überleben gegenüberständen. Natürlich lässt sich unter den heutigen Demagogen des Westens – von Donald Trump in den USA bis zu Marine Le Pen oder Geert Wilders in Europa – keiner mit Hitler vergleichen. Keiner tritt für die Diktatur ein, von Massenmord ganz zu schweigen. Aber sie schüren eindeutig eine Politik der Angst.

Trump zumindest steht auch für Gier und prahlt offen mit seinem Reichtum; zudem hat er seine haarsträubende Selbstüberschätzung und widersprüchliche Selbstdarstellung irgendwie zu einer bizarren Form von Charisma aufbereitet. Einerseits verspricht er, alle Probleme der Welt zu lösen und China, Russland, dem Islamischen Staat und auch jedem sonst zu zeigen, wer das Sagen hat. Andererseits behauptet er, dass sein riesiges, mächtiges Land keine verzweifelten Flüchtlinge aus Syrien aufnehmen könne, weil, wie er warnt, muslimische Asylsuchende „einen der größten Militärputsche aller Zeiten“ inszenieren könnten.

Trumps republikanische Mitbewerber im Rennen um die US-Präsidentschaft wie etwa Ted Cruz, Ben Carson und Marco Rubio schüren ähnliche Ängste vor Flüchtlingen. Cruz und genauso der angeblich gemäßigtere Jeb Bush haben sogar vorgeschlagen, dass man nur Christen in die USA hineinlassen solle.