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Westliche Geopolitik: Eine Kinderkrankheit

Durch die jüngsten Äußerungen führender amerikanischer Politiker und NATO-Vertreter gewinnt man den Eindruck, dass nicht nur islamische und andere Radikale, sondern auch durchaus zivilisierte Persönlichkeiten ihren Realitätssinn verloren haben und sich nun irrationalem Verhalten hingeben. Auf dieser Welt wird es vor allem für diejenigen, die gewohnt sind, an verantwortlicher Stelle zu sitzen, zunehmend schwieriger, Entwicklungen zu prognostizieren und zu managen.

Die Fehler der Vergangenheit werden uns sehr teuer zu stehen kommen. Drei Ländern – Pakistan, Indien und Nordkorea – wurde es gestattet, Atomwaffen zu entwickeln. Daraus ist zu schließen, dass es gegen die nukleare Weiterverbreitung mit Ausnahme von Luftschlägen oder Bestechung keine politischen oder moralischen Argumente mehr gibt.

Statt einen Dialog der Kulturen und die Unterstützung fortschrittlicher Kräfte im Nahen Osten zu fördern, gab man einer beinahe gegenteiligen Entwicklung den Vorzug. Die Invasion im Irak hat zwar eine höchst unerfreuliche Gewaltherrschaft beseitigt, aber sogar unter den schärfsten Widersachern Saddams eine Welle der Gewalt gegen den Westen entfacht und eine Spaltung des Westens selbst ausgelöst.

Tatsächlich sind nicht nur im Nahen Osten anti-amerikanische Koalitionen entstanden, sondern auch in Lateinamerika, während manche westliche Politiker offensichtlich bemüht waren, die Beziehungen mit Russland und China zu erschweren, um so die transatlantische Solidarität wieder herzustellen und Europa noch weiter zu schwächen. So steht beispielsweise zur Diskussion, in Polen, nahe der Grenze zu Russland, Raketenabwehrsysteme zu installieren, vorgeblich um terroristische Raketenangriffe abzuwehren. Diese Raketen können Polen per Definition jedoch gar nicht erreichen.