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Schwaches Amerika=Schwaches Europa

Viele möchten immer noch glauben, Amerika habe die bisherigen sechs Bush-Jahre ohne Machteinbuße überlebt. Wie wenig dies jedoch zutrifft, demonstrieren täglich all jene – von Wladimir Putin und Hugo Chavez bis Mahmoud Achmadinejad und Robert Mugabe - , die die Verminderung des Ansehens und des Einflusses der Vereinigten Staaten zum eigenen Vorteil nutzen. Das ist kein Grund zu Schadenfreude, im Gegenteil: Es höchste Zeit für die Freunde der Vereinigten Staaten, vor allem in Europa, zu erkennen, daß ihr eigener Einfluß in der Welt durch Amerkas Schwäche in Mitleidenschaft great.

Diese Schwäche ist inzwischen unübersehbar. Auf dem Höhepunkt amerikanischer Macht schien Rußland sich mit dem Vordringen der Nato in die einstige sowjetische Einflußsphäre weitgehend abgefunden zu haben. Putin tolerierte sogar die US-Präsenz in Zentralasien und unterstützte damit den Kampf gegen die Taliban in Afghanistan. Als Washington den Vertrag, der die stragische Raketenabwehr untersagt, kurzerhand in den Papierkorb warf, gab es aus Moskau kaum Widerstand. Auch bei dem Bemühen, der Ukraine und Georgien den Zugang zur Nato zu ermöglichen, nahm die Bush-Regierung wenig Rücksicht auf russische Interessen, weil sie überzeugt war, der Kreml könne ohnehin nichts dagegen tun.

Das ist Vergangenheit. Heute setzt Putin unter Ausnutzung der amerikanischen Schwäche alles daran, den in den letzten Jahren verlorenen Einfluß zurückzuerlangen. In Europa nutzt er geschickt die vorherrschende anti-amerikanische Stimmung dazu aus. Er erhöht den Druck auf die baltischen Staaten als Warnung vor weiterer Nato-Ausdehnung. In der Ukraine gewinnen jene an Einfluß, die gegen eine enge strategische Anbindung an den Westen sind. Und der Kreml pumpt die geplante Errichtung von bescheidenen US-Raktenabwehr-Elementen in Polen und Tschechien zu einer Bedrohung elementarer russsischer Sichgerheitsinteressen auf.

Auch der Iran führt vor, wie man Amerikas Schwäche nutzen kann. Vor ein paar Jahren noch schien Teheran soviel Respekt vor der Macht der Vereinigten Staaten zu haben, daß es sich schrittweise einer Unterbrechung, vielleicht sogar einer völligen Einstellung seiner umstrittenen nuklearen Anreicherungsbemühungen näherte. Man munkelte sogar von einer möglichen Wiederaufnahme bilateraler Beziehungen und damit dem Ende einer fast drei Jahrzehnte dauernden feindlichen Distanz. Heute ist davon nicht mehr die Rede. Das Anreicherungsprogramm läuft trotz der Warnung vor neuen UN-Sanktionen auf vollen Touren, und iranische Politker verlachen öffentlich die Gefahr einer amerikanischen Militäraktion gegen ihr Land.