Die harte Realität des Wassermangels

CAMBRIDGE – In Kalifornien erhalten Einwohner Geldstrafen, wenn sie Wasser verschwenden. Ziel ist es, der schweren Dürre durch Senkung des Wasserverbrauchs der privaten Haushalte um 20% zu begegnen. Das Problem ist, dass nicht mal 15% des Gesamtwasserverbrauchs auf die Haushalte entfällt. Der Rest wird überwiegend für die Landwirtschaft verbraucht. Selbst wenn die angestrebten Einsparungen erreicht werden, belaufen sie sich auf unter 3% der Gesamtnachfrage – ein Tropfen auf den heißen Stein.

Gleichzeitig bemühen sich derzeit in China rund 30.000 Arbeiter, das Wetter zu ändern, indem sie versuchen, von Flugzeugen aus Wolken zu „impfen“, oder mit Flugabwehrkanonen Granaten in die Luft schießen – in der Hoffnung, dem Himmel ein bisschen Regen zu entlocken. Es gibt keine statistischen Belege dafür, dass diese Art der Manipulation des Wetters funktioniert, aber auch in den USA (insbesondere im Westen) sind die Wolkenimpfer unterwegs.

Für mich sind diese sinnlosen Maßnahmen „politische Placebos“: Versuche der Regierungen, ihren Bürgern gegenüber zu zeigen, dass sie etwas – irgendetwas! – tun, um den Wassermangel zu mildern. Placebos mögen in der Medizin ihren Platz haben, aber wenn sie von Bemühungen ablenken, die Grundursachen der Probleme zu bekämpfen, können sie mehr schaden als nutzen. Maßnahmen wie in Kalifornien sind mit der Anweisung an Polizisten vergleichbar, bei jeder Fahrt die Sirene anzuschalten, um den Eindruck zu erwecken, dass man bekämpfe das Verbrechen. Angesichts der durch den Klimawandel bedingten verschärften und häufigeren Dürren bedarf es neuer, manchmal schwieriger Lösungen, die über nutzlose Versuche zur Beruhigung der Öffentlichkeit hinausgehen.

To continue reading, please log in or enter your email address.

Registration is quick and easy and requires only your email address. If you already have an account with us, please log in. Or subscribe now for unlimited access.

required

Log in

http://prosyn.org/bFProb8/de;