Paul Lachine

War es ein Fehler, Bin Laden zu töten?

LONDON – “Er lebte als Held und starb als Märtyrer...sie haben einen Osama getötet, und tausend andere werden geboren werden” lautete ein Kommentar in einer Facebook-Gruppe mit dem Namen “Wir alle sind Osama bin Laden”.. Diese Gruppe bildete sich innerhalb von einer Stunde, nachdem US-Präsident Barack Obama den Tod des Al-Qaida-Führers bekannt gegeben hatte. Sie “gefällt” bereits jetzt etwa 30.000 Menschen. Und es gibt auf Facebook noch über 50 weitere, ähnliche Gruppen.

Auf Al Jazeera und andern arabischen Nachrichtenkanälen waren die Reaktionen auf Bin Ladens Tod unterschiedlich. Manche betrachten den Mann, der im Westen als Massenmörder gesehen wird, als Symbolfigur, und in den Augen seiner Sympathisanten ändert sein Tod und sein Seebegräbnis durch die amerikanischen Streitkräfte daran nichts. Tatsächlich wurde Bin Laden von Ägyptens früherem Mufti, Scheich Nasr Farid Wasil, bereits zum Märtyrer erklärt, “da er durch die Hände des Feindes gefallen ist”.. (Scheich Wasil, so muss betont werden, hat keine Verbindungen oder offensichtliche Sympathie für Al Qaida, und er repräsentiert eine völlig andere islamische Denkrichtung.)

Unabhängig von den gemischten Signalen aus der virtuellen Online-Welt lautet die entscheidende Frage, ob die Tötung Bin Ladens in der wirklichen Welt den Niedergang von Al Qaida einläuten wird. Natürlich haben einige terroristische Vereinigungen den Tod ihrer charismatischen Führer nicht überlebt. Ein Beispiel dafür ist Shoko Asahara, der Gründer von Aum Shinrikyo (der japanischen Gruppierung, die für die Sarin-Gasanschläge auf die Tokioter U-Bahn 1995 verantwortlich war).

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