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Chinas nordkoreanische Achse

PEKING – Nach einem Frühling erhöhter Spannungen auf der koreanischen Halbinsel haben einige diplomatische Aktivitäten Hoffnung auf eine Begegnung der Ansichten gemacht, zumindest zwischen China, Südkorea und den Vereinigten Staaten. Aber ein tragfähiger Konsens zur Verringerung der durch die launische nordkoreanische Führung verursachten Sicherheitsrisiken wurde immer noch nicht gefunden.

Nach einem Berichten zufolge schwierigen Treffen zwischen dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping und Vizemarschall Choe Ryong-hae, einem der vier Mitglieder des nordkoreanischen Regierungspräsidiums, war Nordkorea auf dem US-chinesischen Gipfel in Kalifornien einer der zentralen Diskussionspunkte. Kurz darauf fand in Peking ein Treffen zwischen Xi und dem südkoreanischen Präsidenten Park Geun-hye statt. Dass Xi an allen drei Treffen teilnahm, verdeutlicht zwei Tatsachen: Chinas Politik gegenüber Nordkorea ist der Schlüssel zu einer Lösung der durch das Land verursachten Probleme, und China sucht anscheinend aktiv nach einer neuen Herangehensweise an seinen unberechenbaren Verbündeten.

Chinas Interesse an einer neuen Nordkorea-Politik ist keine völlig neue Entwicklung. Immerhin bewegt sich diese Politik bereits seit zwei Jahrzehnten in eine konstruktivere Richtung. Dies spiegelt Chinas wachsende internationale Prominenz wider, und ebenso die Tatsache, dass die chinesische Führung die neue globale Rolle, die das Land aufgrund zunehmender wirtschaftlicher Macht spielt, vorsichtig zu akzeptieren beginnt.

In der Zeit direkt nach dem Kalten Krieg kooperierte China zwecks Lösung der ersten nordkoreanischen Nuklearkrise 1993-1994 mit anderen betroffenen Ländern, neigte aber dazu, die nuklearen Ambitionen des Nordens hauptsächlich als bilaterales Problem zwischen Nordkorea und den USA zu sehen. Präsident Bill Clinton schien damit einverstanden zu sein und wählte einen bilateralen Ansatz für die Nuklearkrise, der in der Rahmenvereinbarung von 1994 Ausdruck fand.