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Ist von der Leyen die Kommissionspräsidentin, die Europa braucht?

PARIS – Charles de Gaulle hatte „eine bestimmte Vorstellung von Frankreich“. Aber hat Ursula von der Leyen, die neue Präsidentin der Europäischen Kommission, eine bestimmte Vorstellung von Europa, so wie Jacques Delors sie hatte, als er den Spitzenjob der Europäischen Union innehatte?

Dies ist möglicherweise eine unfaire und irrelevante Frage. Schließlich bildete sich Delors’ eigene Ansicht über Europa erst im Laufe der Zeit heraus. Und in dem halben Jahrhundert seit de Gaulles Tod ist die europäische Politik (und damit auch Europas Politiker) allgemein pragmatischer und weniger idealistisch geworden. Die heutigen Politiker sind (bestenfalls) ehrgeizige Macher und häufig gerissene Überlebenskünstler. Doch wird die neue Kommissionspräsidentin ihr Amt in einer Zeit antreten, in der Europa dringend eine visionäre Führungspersönlichkeit und keinen bloßen „Dealmaker“ braucht.

Natürlich ist von der Leyen keine schlechte Wahl. Sie wird die erste Frau sein, die den Spitzenjob der EU innehat, und die erste Deutsche seit Walter Hallstein in den späten 1950er und den 1960er Jahren, als die europäische Einigung noch ganz am Anfang stand. Zudem ist von der Leyen unzweifelhaft eine Europafreundin und Atlantikerin. Und als ehemalige deutsche Verteidigungsministerin ist sie vertraut mit den zunehmend wichtiger werdenden Sicherheitsproblemen, vor denen Europa steht.

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