Wladimir de Gaulle?

MOSKAU – Die größte Enttäuschung der postkommunistischen Ära war das Versäumnis des Westens, insbesondere Europas, eine erfolgreiche Beziehung zu Russland aufzubauen. Die meisten politischen Entscheidungsträger und Experten hatten erwartet, dass Russland sich nach einer unweigerlich mühsamen Übergangszeit den Vereinigten Staaten und Europa in einer strategischen und wirtschaftlichen Partnerschaft anschließen würde, die auf gemeinsamen Interessen und Werten beruht. Das Tempo des Wandels war vielleicht ungewiss, nicht jedoch seine Richtung. Wladimir Putins massiver Wahlsieg bei den Wahlen zur Duma in dieser Woche hat diese Vorstellung Lügen gestraft.

Die gemeinsamen Interessen sind heute geschrumpft und die Werte auseinandergegangen. Ein wiedererwachendes Russland ist die erste revisionistische Macht der Welt, die einen Status quo ablehnt, der auf der Vorstellung beruht, der Westen habe den Kalten Krieg gewonnen. Seine beiden Supermachtvorzüge – Atomwaffen und Energie – verleihen ihm eine potenzielle Führungsrolle gegenüber allen unbedeutenderen Mächten, die mit ihrer Position in der Welt nicht zufrieden sind. Eine potenzielle Achse Russland-China, die auf dem gemeinsamen Widerstand gegen die US-Vorherrschaft gründet, trägt bereits den Keim einer neuen Bipolarität.

Die westlichen Erwartungen an die Laufbahn des postkommunistischen Russlands beruhten auf drei Annahmen, die sich als falsch herausstellten. Erstens war ein Großteil der russischen Elite nicht der Ansicht, dass der Verlust des Großreichs unumkehrbar war. Zweitens zerschlug der Unilateralismus der Regierung Bush den Glauben daran, dass die USA in der Welt weiterhin eine „multilaterale“ Führungsposition übernehmen würden. Der US-Unilateralismus veranlasste Russland sogar dazu, seine eigene unilaterale Politik zu verfolgen. Drittens ist Russland wider Erwarten wirtschaftlich noch nicht in den Westen (vor allem Europa) integriert.

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