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Schleier der Ignoranz

Die Entscheidung Frankreichs, weiblichen Muslimen das Tragen des Kopftuchs an öffentlichen Schulen zu untersagen, wurde im Namen der Trennung von Kirche und Staat getroffen, einer alten und verdrießlichen Frage innerhalb der französischen Geschichte. Die Verabschiedung dieses Gesetzes zeigte jedoch noch etwas anderes: wie schwierig es für das französische Volk ist, sich mit etwas auseinander zu setzen, was die Amerikaner als minorities issue bezeichnen.

Tatsächlich teilen beide Nationen trotz ihrer scheinbar fundamentalen Unterschiede eine ähnliche Neigung, Armut mit etwas anderem durcheinander zu bringen. In Frankreich wird Armut mit Religion verwechselt, in Amerika mit Rassenzugehörigkeit.

Da in Amerika so viele Schwarze arm sind, zeigen viele Untersuchungen, dass die Amerikaner Armut und Schwarzsein verwechseln. Fragt man: „Warum sind sie so arm?", so sagen zwei von drei Amerikanern, dass die Ursache Faulheit sei; nur einer von Dreien ist der Ansicht, dass arme Schwarze einfach Pech gehabt hätten. (Dieses Verhältnis kehrt sich freilich um, wenn man dieselbe Frage Amerikanern stellt, die erst „kürzlich mit einem schwarzen Freund zu Abend gegessen haben".)

Die Amerikaner, so scheint es, überdecken die soziale Frage mit einer Rassenfrage, und das Ergebnis ist, dass arme Leute nicht als Brüder in der Not betrachtet werden. In den USA gibt es, weil es die Schwarzen sind, die nach allgemeiner Ansicht den größten Teil der Armen stellen, weniger soziale Intervention.