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Afrikas Vielfältigkeit nutzen

Was für ein Bild taucht vor unserem geistigen Auge auf, wenn wir an Afrika denken? Viele sehen einen durch Armut, Krieg, Verzweiflung, Korruption und Misserfolg zerstörten Kontinent. Aber Afrika ist Marokko, Sierra Leone und Südafrika, es ist Mosambik und Mali, Nelson Mandela und Charles Taylor - die Kontraste erscheinen immer größer als alle Gemeinsamkeiten.

Wie einfach und praktisch es auch sein mag, es ist sinnlos, Afrika als Einheit zu betrachten, sei es auf wirtschaftlichem, politischen oder kulturellem Gebiet. Die Unterschiede zwischen den einzelnen afrikanischen Ländern sind zu groß. Sogar innerhalb der einzelnen Länder, wie zum Beispiel in Tansania, wo das Festland und die Insel Sansibar beständig Streit haben, bestehen oft radikale Unterschiede in den Meinungen und Haltungen.

In Afrika ist es vorteilhaft, von Vielfalt zu sprechen, denn bei der Suche nach Lösungen für die wirtschaftlichen Herausforderungen, denen sich die afrikanischen Ländern stellen müssen, ist es viel vernünftiger, auf die Vielfältigkeit der Regionen einzugehen. Glücklicherweise geschieht dies bereits. Einige sehr interessante praktische Ansätze in diese Richtung sind bereits eingeleitet, wenn auch nicht alle die ursprünglich von ihren Gründern geplante Richtung verfolgen.

Die Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (ECOWAS) zum Beispiel hat unerwarteterweise sowohl den Willen als auch die Fähigkeit bewiesen, eine Streitmacht zu stellen, die bei regionalen Konflikten einschreiten kann, wie bei dem schrecklichen Bürgerkrieg in Sierra Leone. Weniger spektakulär aber vielleicht langfristig wichtiger ist die Tatsache, dass ECOWAS die Grundlagen für eine regionale Integration auf dem Gebiet der Wirtschaft legt, wobei die Schaffung einer einheitlichen Währung ein erklärtes Ziel ist.