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Neuer Handel für Amerika

KOPENHAGEN – Auch wenn einige US-Präsidentschaftskandidaten den freien Handel ablehnen, bleibt er doch das Rückgrat der amerikanischen Wirtschaft. Ohne ihn würde das Land deutlich ärmer, und sein globaler Einfluss würde erheblich leiden. Warum also wurde die Beschimpfung des Freihandels beim Präsidentschaftswahlkampf in diesem Jahr zu einem Hauptthema?

Einer der klarsten Gründe dafür ist, dass in den Vereinigten Staaten, die immer noch von den Nachwirkungen der Finanzkrise von 2008 gebeutelt werden, wirtschaftliche Ängste um sich greifen. Zu viele Amerikaner arbeiten und verdienen weniger als zuvor. Sie sind mit dem Status Quo nicht mehr zufrieden, und die Präsidentschaftskandidaten sind gut beraten, ihre Sorgen zu berücksichtigen.

Aber die Einführung protektionistischer Maßnahmen wäre eine Quacksalberkur. Dadurch würden keine Probleme gelöst, sondern die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nur noch verschlimmert. Freier Handel ist keine Belastung für die US-Wirtschaft, sondern eine Notwendigkeit. Die USA haben mit zwanzig anderen Ländern Freihandelsabkommen ausgehandelt. Und obwohl diese Länder nur 10% der restlichen Weltwirtschaft auf sich vereinen, haben sie in den letzten Jahren fast die Hälfte aller US-Exporte gekauft.

Darüber hinaus nützt der Freihandel den Arbeiterfamilien und Bevölkerungsschichten mit geringem Einkommen. Die Kaufkraft der US-Arbeitnehmer wurde durch billige Importe erheblich gesteigert. Eine Studie kommt zu dem Ergebnis, dass amerikanische Durchschnittsverdiener, sollte sich das Land handelsmäßig abschotten, 29% ihrer Kaufkraft verlieren würden. Die Ärmsten in den USA würden sogar 62% verlieren.