zhang54_GREG BAKERAFP via Getty Images_chinese economy GREG BAKER/AFP via Getty Images

Chinas Absicherung gegen geopolitische Schocks

SHANGHAI – In Hinblick auf geopolitische Auswirkungen könnte wohl nichts von größerer Bedeutung sein als der Schwenk der Vereinigten Staaten von strategischer Kooperation hin zu einem strategischem Wettbewerb mit China. Wie aus einem Ende letzten Jahres veröffentlichten Bruegel-Bericht hervorgeht, stimmt dieser Sinneswandel zahlreiche Beobachter pessimistisch, wenn es um die chinesischen Wirtschaftsaussichten geht. Man geht offenbar davon aus, dass China keine andere Wahl hat, als von seinem erfolgreichen Entwicklungspfad abzuweichen und einen weniger florierenden Kurs mit einer Hinwendung nach innen einzuschlagen, und dies unter einem Staat, der vollständige Kontrolle über die Wirtschaft ausübt, um sich gegen geopolitische Schocks abzusichern. Doch bei Chinas Bestrebungen, in gewissen Bereichen seine wirtschaftliche Unabhängigkeit zu fördern, handelt es sich um vernünftige Reaktionen auf externen Druck – und keineswegs um Anzeichen des Niedergangs seines Wirtschaftsmodells oder seiner Perspektiven.

In den letzten Jahren haben die USA ihre Bemühungen zur „Eindämmung“ des chinesischen Aufstiegs intensiviert. Neben der Einführung von Zöllen und nichttarifären Hemmnissen für Einfuhren aus China wurden chinesische Investitionen eingeschränkt, indem man beispielsweise chinesische Unternehmen daran hinderte, Firmen in einigen High-Tech-Sektoren in den USA zu erwerben. Außerdem setzten die USA weiterhin chinesische Firmen auf ihre so genannte Entity List. Dadurch verwehrte man diesen Unternehmen den Zugang zu amerikanisch kontrollierten kritischen Technologien wie Halbleitern, hielt US-Kapital von einigen strategischen Branchen Chinas fern und verdrängte chinesische Unternehmen von US-Börsen.

Wie mein Ko-Autor, Shuo Shi, und ich in einer 2020 erschienenen Arbeit zeigen, könnte diese Politik nur zu eskalierenden strategischen Kosten für die USA führen. Und entgegen der landläufigen Meinung sind ihre längerfristigen Auswirkungen womöglich sehr begrenzt, geschweige denn ausreichend, um den Aufstieg der chinesischen Wirtschaft zu beenden.

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