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Die Vereinigung der Flotten Europas

PARIS – Von den 23 Seestreitkräften Europas verfügt nur die französische Marine über einen voll einsatzfähigen Flugzeugträger, das 40.000-Tonnen Flaggschiff Charles de Gaulle. Obwohl Großbritannien momentan zwei eigene Flugzeugträger baut, ist die Royal Navy noch Jahre davon entfernt, unmittelbare Luftschläge von hoher See aus durchzuführen.  Dennoch ist Europa angemessen gerüstet, sich gegen externe Bedrohungen zu verteidigen. Weniger gut gerüstet ist man allerdings, wenn es darum geht, den sich abzeichnenden Budgetkürzungen standzuhalten.

Die maritime Sicherheitsstrategie Europas beruht seit langer Zeit auf zwei Kernelementen. Erstens sind die Seehandelsrouten, auf denen fast 85 Prozent aller Exporte und Importe der Europäischen Union transportiert werden, frei und sicher zu halten. Und zweitens müssen die europäischen Länder weiterhin in der Lage sein, mit jeder größeren Sicherheitskrise fertig zu werden.

Die internationalen Entwicklungen unterstreichen die Relevanz dieser Prioritäten. So könnte Europa beispielsweise aufgrund zunehmender Spannungen mit dem Iran gezwungen sein, seine Seestreitkräfte für eine Blockade rund um den Persischen Golf zu entsenden, um die Sicherheit der Öltransporte zu gewährleisten. In ähnlicher Weise gefährdet auch die Piraterie am Golf von Guinea und im Indischen Ozean, vor allem entlang der somalischen Küste, die maritimen Aktivitäten Europas, einschließlich seines ausgedehnten Handels auf dem Seeweg.

Wachsende Bedenken hinsichtlich dieser Piraterie führten 2008 auch zur ersten Marineoperation der EU im Rahmen der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP) – der Operation Atalanta. An der seit Jahren andauernden Operation nehmen 5-10 Kampfschiffe, 1-2 Versorgungsschiffe und 2-4 Flugzeuge zur Seeraumüberwachung sowie Truppen von 26 europäischen Seestreitkräften teil. Zweifellos hat diese Aktion dazu beigetragen, die Angriffe der Piraten einzudämmen, wenn nicht gar zu beenden.