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Ein Krieg der Worte um den weiblichen Körper

NEW YORK – Die Generalversammlung der Vereinten Nationen wird in diesem Monat eine hochrangige Sitzung abhalten, um eine Zusage der Mitgliedsstaaten zur Gewährleistung einer allgemeinen Krankenversorgung zu erhalten, die den Schutz vor Finanzrisiken und den Zugang zu wichtigen Gesundheitsleistungen, Medikamenten und Impfstoffen für alle umfassen soll. Doch wie viel Länder im Rahmen ihrer Umsetzung einer allgemeinen Krankenversorgung wirklich für Leistungen bereitstellen, die die besonderen Bedürfnisse von Frauen und Mädchen erfüllen, steht immer noch zur Debatte.

Durch die Verabschiedung einer politischen Erklärung zur allgemeinen Krankenversorgung stimmen die Länder zu, in ihren nationalen Haushalten Mittel bereitzustellen, um eine Zukunft zu schaffen, in der Diabetiker überall auf der Welt Insulin erhalten, man nicht zulässt, dass HIV die Gemeinwesen verheert, und alle Kinder wichtige Impfungen erhalten. In dieser Zukunft hätten selbst die schutzbedürftigsten Gemeinschaften einen verlässlichen und bezahlbaren Zugang zu den von ihnen benötigten Leistungen, und die gesamte Gesellschaft wäre gesünder und produktiver.

Und doch bleiben die besonderen gesundheitlichen Bedürfnisse von Mädchen und Frauen, nicht zuletzt ihre sexual- und reproduktionsmedizinischen Bedürfnisse, politisch umstritten, was dazu führt, dass ihre gesundheitliche Versorgung seit langem unterbewertet wird und nicht über ausreichende Ressourcen verfügt. Im humanitären Rahmen etwa gibt es kaum Zugang zu einer sexual- und reproduktionsmedizinischen Versorgung. Und vielerorts haben junge Leute Schwierigkeiten, ihre reproduktiven Rechte auszuüben.

Eine Tatsache, die die Gesundheitsversorgung von Frauen zusätzlich untergräbt, ist, dass Frauen in medizinischen Studien häufig unterrepräsentiert sind, was zur unzureichenden Diagnose und Behandlung von Krankheiten führt. Selbst speziell auf die Betreuung junger Mädchen ausgerichtete Programme werden häufig ohne echte Einbeziehung der Jugendlichen konzipiert; daher gehen sie oft an den Bedürfnissen ihrer Zielgruppe vorbei und verstärken manchmal sogar eine schädliche Stigmatisierung.

Doch damit eine allgemeine Krankenversicherung wirklich alle erreicht und Veränderungen bewirkt, muss sie die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern in all ihren Formen verinnerlichen – und das bedeutet auch, ausdrückliche Garantien für die sexual- und reproduktionsmedizinische Versorgung und sexuellen und reproduktiven Rechte abzugeben. Hierzu gehören eine moderne Verhütung, prä- und postnatale Betreuung, die Behandlung bei Unfruchtbarkeit, sichere Abtreibungen und die Verhinderung und Behandlung von Geschlechtskrankheiten und Karzinomen der Fortpflanzungsorgane. Sie umfasst zudem das Recht auf einvernehmlichen Geschlechtsverkehr und auf den Schutz vor Gewalt durch Intimpartner.

Diese Gesundheitsdienstleistungen retten Leben. Wenn den Bedürfnissen nach moderner Verhütung in den sich entwickelnden Regionen Rechnung getragen würde und Frauen und Neugeborene eine grundlegende Betreuung erhielten, würde die Zahl der unbeabsichtigten Schwangerschaften um 75%, die Müttersterblichkeit um 73% und die Zahl der Todesfälle bei Neugeborenen um 80% sinken. Die Impfung von Mädchen gegen das Humane Papillomvirus (HPV) würde im Verlaufe des nächsten Jahrzehnts in 72 Ländern geringen und mittleren Einkommens mehr als drei Millionen Todesfälle durch Gebärmutterhalskrebs verhindern. Und natürlich haben gesündere Mütter gesündere Kinder.

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Der Schutz der Gesundheit von Frauen und die Garantie ihrer Autonomie in Bezug auf ihren eigenen Körper, ihre Sexualität und ihre Fruchtbarkeit ist das Fundament der Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern. Sexual- und reproduktionsmedizinische Versorgung und sexuelle und reproduktive Rechte versetzen Frauen in die Lage, ihr volles Potenzial auszuschöpfen, indem sie sich u. a. in ihren Volkswirtschaften, in der Politik und in der Gesellschaft engagieren. Dies stärkt Familien und Gemeinwesen und leistet so einen Beitrag zu Wirtschaftswachstum und nachhaltiger Entwicklung insgesamt.

Trotz dieser enormen Vorteile legt die Erfahrung nahe, dass, wenn sexual- und reproduktionsmedizinische Versorgung und sexuelle und reproduktive Rechte nicht ausdrücklich durch UN-Erklärungen geschützt werden, sie mit höherer Wahrscheinlichkeit bei politischen Beratungen und Haushaltsentscheidungen unter den Tisch fallen. Derartige Schutzmechanismen sicherzustellen ist ein schwerer Kampf, weil konservative UN-Mitgliedsstaaten darauf drängen, Begriffe wie „Geschlecht“ und „sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte“ und manchmal sogar „Menschenrechte“ aus verschiedenen internationalen Erklärungen zu streichen.

Es ist im multilateralen System ein Krieg der Worte im Gange, und das Schlachtfeld ist der weibliche Körper. Aus diesem Grund hat die Alliance for Gender Equality and UHC – die mehr als 100 zivilgesellschaftliche Organisationen aus 46 Ländern umfasst – die UN-Mitgliedsstaaten aufgefordert, einen Sieg jener, die die Gesundheit und die Rechte der Frauen zu untergraben suchen, nicht zuzulassen. Die Streichung dieser Begriffe hat sehr reale Konsequenzen.

Eine „Krankenversorgung für alle“ schließt die sexual- und reproduktionsmedizinische Versorgung mit ein, und „alle“ umfasst alle Menschen unabhängig von Rasse, Ethnizität, Alter, Fähigkeiten, Migrationsstatus, Geschlechtsidentität oder -ausrichtung, Indigenität, Gesundheitszustand, Schicht oder Kaste. Um überhaupt eine Chance zu haben, dies umzusetzen, müssen sexual- und reproduktionsmedizinische Versorgung und sexuelle und reproduktive Rechte in jedem Land und jeder Gemeinschaft der Welt anerkannt, finanziert und offen bekundet werden.

Der Kampf verschiebt sich nun von Wörtern auf einem Blatt Papier zu aktivem Handeln. Wenn es den Regierungen ernst ist mit der allgemeinen Krankenversorgung, müssen sie sich zum Aufbau und zur Finanzierung umfassender Gesundheitssysteme verpflichten, die für alle Menschen da sind – auch für Frauen und Mädchen. Das Ergebnis wird eine gesündere, wohlhabendere und stärker gleichberechtigte Welt sein.

Aus dem Englischen von Jan Doolan

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