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Eine unkonventionelle Wahrheit

NEW YORK – Wer hätte gedacht, dass die meisten entwickelten Ökonomien sechs Jahre nach der globalen Finanzkrise immer noch in einer Buchstabensuppe unkonventioneller geldpolitischer Strategien -  ZIRP (Nullzinspolitik), QE (quantitative Lockerung), CE (Kreditlockerung), FG (Forward Guidance), NDR (negativer Einlagenzins) und U-FX Int (unbeschränkte Deviseninterventionen) - schwimmen würden? Vor 2008 hätte keine Zentralbank irgendeine dieser Maßnahmen in Erwägung gezogen. Mittlerweile gehören sie zum grundlegenden Rüstzeug politischer Entscheidungsträger.

Allein in den letzten anderthalb Jahren hat die Europäische Zentralbank ihre eigene Version der Forward Guidance eingeführt, sich dann auf die Nullzinspolitik verlegt, und  vor der Entscheidung für den negativen Einlagenzinssatz eine Kreditlockerung vorgenommen. Im Januar entschied man sich für umfassende quantitative Lockerung. Mittlerweile verlassen sich Fed, Bank of England, Bank of Japan, EZB und eine Reihe von Zentralbanken aus kleineren Industrieländern, wie die Schweizerische Nationalbank, auf derartige unkonventionelle Strategien.  

Eine Folge dieses globalen geldpolitischen Aktivismus war in den letzten Jahren ein Aufstand unter Pseudo-Ökonomen und Schreiberlingen in der Marktberichterstattung. Dieses Konglomerat aus „österreichischen” Ökonomen, radikalen Monetaristen, Goldbugs und Bitcoin-Fanatikern warnte wiederholt, dass eine derart massive Steigerung der globalen Liquidität zu Hyperinflation, dem Zusammenbruch des US-Dollars,  immens hohen Goldpreisen, und letztlich zum Untergang der Fiat-Währungen aufgrund ihrer digitalen Entsprechungen, den Kryptowährungen,  führen würde.

Keine dieser düsteren Prognosen hat sich in der Realität bestätigt. Die Inflation ist niedrig und sinkt in beinahe allen Industrieländern weiter. Tatsächlich gelingt es keiner Zentralbank in den Industrieländern ihr – explizites oder implizites - Mandat einer Inflation von 2 Prozent zu erreichen und manche ringen darum, eine Deflation zu vermeiden. Außerdem ist der Dollar gegenüber Yen, Euro und den meisten Währungen der Schwellenländer drastisch gestiegen. Seit dem Rückgang im Jahr 2013 fielen die Goldpreise von 1.900 Dollar pro Unze auf etwa 1.200 Dollar. Und Bitcoin erwies sich im Jahr 2014 als die Währung mit der schlechtesten Performance, wobei ihr Wert um beinahe 60 Prozent fiel.