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Die Unsicherheit verlagert sich nach China

Nun, da der Dollar von seinem Höchststand gegenüber dem Euro um 43 % gefallen ist, läuft der Prozess einer Neuausrichtung der Finanzwelt definitiv an. Das Handels- und Leistungsbilanzdefizit der USA beginnt im Verhältnis zum amerikanischen und weltweiten BIP zu schrumpfen. Auch die asiatischen Leistungsbilanzüberschüsse sollten sich verringern, vor allem, wenn sich das amerikanische Wachstum im Gefolge des beendeten Eigenheimbooms merklich verlangsamt.

Momentan ist Europa am schwersten betroffen, da der Euro gegenüber dem Dollar am stärksten und schnellsten an Wert zugelegt hat. Aber auch Lateinamerika und Asien werden Schwierigkeiten zu spüren bekommen, wenn die USA ihre jahrzehntelange Rolle als weltweiter Importeur letzter Instanz nicht mehr spielen.

Solange sich die Ungleichgewichte im Welthandel und bei den Kapitalflüssen langsam und reibungslos auflösen, sollte sich das Ausmaß weltweiter wirtschaftlicher Schwierigkeiten in Grenzen halten. Selbstverständlich werden sie den Exporteuren, die amerikanische Märkte verlieren, immer noch groß genug erscheinen, ebenso wie auch den Amerikanern, die den Zugang zu billigen, von Ausländern zur Verfügung gestellten Kapital verlieren. Allerdings wird es in den nächsten Jahren mit Sicherheit zu bedrohlicheren und ernsthafteren politisch-wirtschaftlichen Problemen als der Auflösung der globalen Ungleichgewichte kommen.

Ja, die USA könnten in eine leichte Rezession schlittern – die Chancen dafür stehen ungefähr 50:50. Ja, die amerikanische Rezession könnte auch den Rest der Welt erfassen und eine weltweite Rezession auslösen. Und ja, das weltweite Wirtschaftswachstum in den nächsten fünf Jahren wird möglicherweise langsamer verlaufen als in den letzten fünf Jahren. Die Wahrscheinlichkeit einer klassischen Rezession ist aber nicht allzu hoch und sie wird wahrscheinlich auch eher gedämpft ausfallen. Die Aussichten auf eine wirklich harte Landung – dass nämlich die weltweiten Investoren eines Morgens aufwachen und plötzlich erkennen, dass das Leistungsbilanzdefizit der USA nicht mehr haltbar ist und sie deshalb ihre Dollars abstoßen und so einen Crash der Weltwirtschaft auslösen - werden mit jedem Tag geringer.