13

Welches Mandat für Theresa May?

LONDON – Die britische Premierministerin Theresa May ist nicht gerade dafür bekannt, unberechenbar zu sein. Als vorsichtige und disziplinierte Politikerin spielt sie – immerhin eine Pfarrerstochter – nicht leichtfertig mit der Wahrheit herum. Sie geht keine unnötigen Risiken ein und verlässt auch nicht gern ihre Komfortzone, die von einer handverlesenen Gruppe von Beratern bevölkert ist. Als sie also wiederholt beteuerte, es werde vor dem nächsten regulären Termin im Jahr 2020 keine Wahlen geben, wurde ihr vorbehaltlos geglaubt.

Und dann rief May in der letzten Woche plötzlich doch Neuwahlen aus, die bereits im Juni stattfinden sollen. Welch eine Überraschung!

Eine solche Kehrtwende hätte man May niemals zugetraut. Aber diese Entwicklung ist kaum so politisch brisant, wie manche behaupten. Tatsächlich ist sie in vielerlei Hinsicht sehr logisch: Immerhin liegt May in den Meinungsumfragen etwa 20 Prozentpunkte vor der oppositionellen Labour-Partei.

Dass britische Politiker sich normalerweise dann für Wahlen stark machen, wenn sie mit einem Sieg rechnen können, sollte niemanden überraschen. Und May – deren Regierung vor zähen Austrittsverhandlungen mit der Europäischen Union steht – wird wahrscheinlich sogar ziemlich hoch gewinnen. Selbst wenn die Umfragen daneben liegen und die Wahl für die Konservativen kein Spaziergang werden sollte, ist die Wahrscheinlichkeit eines Siegs doch enorm hoch.