13

Das Ende der Arbeit, wie wir sie kennen

PARIS – Im Jahr 1983 wagte der amerikanische Ökonom und Nobelpreisträger Wassily Leontief eine für die damalige Zeit kühne Prognose. Maschinen, so meinte er, würden die menschliche Arbeitskraft wahrscheinlich in der gleichen Art und Weise ersetzen, wie der Traktor einst an die Stelle des Pferdes trat. Angesichts der weltweit etwa 200 Millionen beschäftigungslosen Menschen – um 30 Millionen mehr als 2008 – erscheinen Leontiefs Worte heute nicht mehr so abwegig wie einst. Tatsächlich bestehen nur wenig Zweifel, dass die Technologie im Begriff ist, den weltweiten Arbeitsmarkt von Grund auf zu verändern. 

Freilich begegnen zahlreiche Ökonomen derartigen Prognosen wie jenen Leontiefs aus gutem Grund mit einiger Skepsis. Historisch betrachtet haben Produktivitätszuwächse selten Arbeitsplätze zerstört. Jedes Mal, wenn Maschinen für Effizienzsteigerungen sorgten (auch als der Traktor die Arbeit des Pferdes übernahm), verschwanden zwar alte Arbeitsplätze, aber es entstanden auch neue. Überdies bedienen sich Ökonomen der Zahlenakrobatik und jüngste Daten zeigen eher einen Rückgang als eine Beschleunigung der Produktivitätssteigerung. Wenn es um die tatsächliche Anzahl verfügbarer Jobs geht, bestehen gute Gründe, die düsteren Prognosen der Schwarzseher zu hinterfragen. Allerdings gibt es sehr wohl Anlass zur Annahme, dass sich das Wesen der Arbeit verändert.

Zunächst verändern Fortschritte in der Automatisierung der Arbeit manche Jobs mehr als andere, wie der MIT-Ökonom David Autor bemerkte. Arbeitnehmer, die mit Routinetätigkeiten wie Datenverarbeitung beschäftigt sind, werden mit zunehmender  Wahrscheinlichkeit durch Maschinen ersetzt, während diejenigen, die kreativere Tätigkeiten ausüben, eher Produktivitätssteigerungen erleben sollten. Und Berufsgruppen, die persönliche Dienstleistungen anbieten, werden womöglich überhaupt keine Veränderung ihrer Tätigkeiten bemerken. Mit anderen Worten: Roboter könnten Buchhalter arbeitslos machen und die Produktivität von Chirurgen steigern, während Friseure ihre Arbeit wie bisher erledigen werden.

Die daraus resultierenden Umwälzungen hinsichtlich der Struktur der Arbeitnehmerschaft könnten mindestens so bedeutend sein wie die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze. Ökonomen bezeichnen das wahrscheinlichste Ergebnis dieser Entwicklung als „die Polarisierung der Beschäftigung.” Die Automatisierung schafft Dienstleistungsjobs am unteren Ende der Lohnskala und steigert Quantität und Lukrativität der der Jobs am oberen Ende. Die Mitte des Arbeitsmarktes wird dabei allerdings ausgehöhlt.