Pope Francis Vincenzo Pinto/Getty Images

Was macht eine große Führungspersönlichkeit aus?

SINGAPUR – Vor nicht allzu langer Zeit versuchten wir bei einem Abendessen in Singapur eine Definition der Qualitäten, die eine große Führungspersönlichkeit ausmachen. Für Klaus waren die wichtigsten Faktoren Herz, Hirn, Muskeln, Nerven und Seele. Für Kishore waren Mitgefühl, Scharfsinn und Mut von ebenso zentraler Bedeutung wie die Fähigkeit, Talente zu erkennen und Komplexität zu durchschauen. Das Ausmaß der Überschneidungen ist vielsagend.

Es ist kein Zufall, dass beide Aufzählungen mit Herz beginnen. Wie an Nelson Mandela und Mahatma Gandhi zu sehen, kann eine Führungspersönlichkeit nicht zu Größe gelangen, wenn sie keine tiefe Empathie für Menschen hegt – ein Gefühl, dass die Kampfbereitschaft gegen die Ungerechtigkeiten fördert, mit denen diese Menschen möglicherweise konfrontiert sind. 

Es ist unwahrscheinlich, dass derart heroische Führungspersönlichkeiten in normalen Zeiten auf der Bildfläche erscheinen. Doch wir leben nicht in normalen Zeiten. Im Gegenteil: die beispiellose Ungleichheit in vielen Teilen der Welt von heute präsentiert genau jene Art von Ungerechtigkeit, die eine große Führungspersönlichkeit mit Mitgefühl für die Menschen am Rande hervorbringen könnte. Der kanadische Premierminister Justin Trudeau, ein junger Regierungschef, der heute am stärksten Hoffnung ausstrahlt, wurde teilweise aufgrund seines Engagements zur Unterstützung gewöhnlicher Menschen gewählt.

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