Wendepunkt in Tschernobyl

Der Atomunfall in Tschernobyl, der sich diesen Monat zum zwanzigsten Mal jährt, war vielleicht mehr noch als die von mir begonnene Perestroika die wirkliche Ursache für den Zusammenbruch der Sowjetunion fünf Jahre später. In der Tat stellt die Katastrophe von Tschernobyl einen historischen Wendepunkt dar: Es gab die Zeit vor der Katastrophe, und es gibt die völlig andere Zeit, die danach folgte.

Direkt am Morgen der Explosion im Kernkraftwerk von Tschernobyl am 26. April 1986 kam das Politbüro zusammen, um die Lage zu besprechen, und berief dann eine Regierungskommission ein, die sich mit den Folgen beschäftigen sollte. Die Kommission sollte in der Situation die Kontrolle behalten und sicherstellen, dass ernsthafte Maßnahmen ergriffen würden, insbesondere im Hinblick auf die Gesundheit der Menschen im Katastrophengebiet. Darüber hinaus stellte die Akademie der Wissenschaften eine Gruppe von führenden Wissenschaftlern zusammen, die unverzüglich in die Region von Tschernobyl entsandt wurden.

Dem Politbüro lagen nicht sofort die passenden und vollständigen Informationen vor, die die Lage nach der Explosion widergespiegelt hätten. Trotzdem herrschte im Politbüro allgemeiner Konsens darüber, dass wir Informationen offen herausgeben sollten, sobald wir welche erhielten. Das wäre im Geiste der Glasnost-Politik, die zum damaligen Zeitpunkt bereits in der Sowjetunion etabliert war.

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