palacio135_ Cem Tekkesinoglu dia image via Getty Images_erdogan Cem Tekkesinoglu/ dia image via Getty Images

Erdoğan der Diplomat?

MADRID – Ein mit Getreide beladenes Schiff ist aus einem ukrainischen Hafen ausgelaufen. Die das Land verlassende Lieferung – die erste seit Monaten – wurde durch ein kürzlich geschlossenes Abkommen zwischen Russland und der Ukraine ermöglicht, das von der Türkei und den Vereinten Nationen vermittelt wurde. Für die Menschen in Afrika und im Nahen Osten bedeutet das Abkommen ein Hoffnungsschimmer, dass sich die schwere Nahrungsmittelknappheit bald bessern wird. Für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan ist es ein diplomatischer Sieg – und bei weitem nicht sein erster.

Angesichts gewaltiger innenpolitischer Herausforderungen – darunter eine wachsende politische Opposition, eine große Zahl von Flüchtlingen, eine abstürzende Währung und eine sich verschlechternde Wirtschaft – hat es sich Erdoğan scheinbar zur Aufgabe gemacht, vor den Wahlen im nächsten Jahr außenpolitische Erfolge zu erzielen. Und er hat beachtliche Erfolge erzielt.

Erdoğan hat nach einem Jahrzehnt angespannter Beziehungen Fortschritte bei der Annäherung an die Golfmonarchien gemacht. Und obwohl das Überleben des Getreideabkommens alles andere als garantiert ist – Russland hat am Tag nach der Unterzeichnung des Abkommens in Istanbul Raketen auf die Hafenstadt Odessa abgefeuert – hat es die Position der Türkei als regionaler Machtvermittler bereits gefestigt.

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