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Der 11. September der Türkei

Bislang ist es der Al-Kaida gelungen, den gefürchteten ,,Kampf der Kulturen" zu schüren. Als die Terroristen im Jahr 2001 Amerika attackierten, schien es, als würden sich die schlimmsten Befürchtungen des Westens hinsichtlich des Islam bestätigen.

Nun schlagen die Terroristen auf die Türkei los. Warum aber sollten Islamisten andere Muslime während des heiligen Monats Ramadan töten? Als Strafe dafür, dass sich die Türkei während der von den USA angeführten Invasion des Irak auf die Seite Amerikas stellte? Die Türkei erlaubte aber weder die Stationierung ausländischer Truppen auf ihrem Staatsgebiet, noch sandte sie Truppen in den Krieg.

Vielleicht hat die Al-Kaida die Türkei deshalb als Zielscheibe auserkoren, um den Fortschritt einer muslimischen Nation bei ihren Beitrittsbemühungen zur EU zu unterminieren? Es kam nicht überraschend, dass westliche Staats- und Regierungschefs nach den Anschlägen erneut darauf drängten, die Türkei in den Kreis Europas aufzunehmen.

In diesen Fragen wird jedoch ein grundsätzlicher Faktor nicht erwähnt. In vielen Kommentaren über die türkische Gesellschaft wird ein Lippenbekenntnis zur Position der Türkei als ,,Brücke" zwischen dem Islam und dem Säkularismus und zwischen dem Osten und dem Westen abgelegt. Das Problem als Brücke zu fungieren ist allerdings, dass keine Seite - weder der ,,Westen" noch die ,,muslimische Welt" die Türkei als ihr zugehörig betrachtet.