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Argumente für eine europäische Türkei

ANKARA – Die Nachbarschaft der Türkei steckt in der Krise. Im Osten herrschen politische Instabilität, Bürgerkrieg und Terrorismus, und ihre westlichen Nachbarn versuchen nach einem wirtschaftlichen Zusammenbruch, der fast das Ausmaß der Großen Depression erreicht hat, verzweifelt wieder finanziellen Boden unter die Füße zu bekommen. Inmitten all dieser Unruhen ist die Türkei eine Oase des Friedens, der Demokratie, der Sicherheit und der Stabilität – etwas, was die Europäische Union in Bezug auf den momentanen Stillstand der Beitrittsgespräche berücksichtigen sollte.

In den letzten zehn Jahren hat die türkische Regierung einen sozialen und wirtschaftlichen Wandel bewirkt, der Millionen von Menschen den Aufstieg in die Mittelklasse ermöglicht hat. Ein aktueller Bericht der Weltbank betont das stetige Wachstum, das die Türkei an die Schwelle einer Einstufung als einkommensstarken Staat gebracht hat, und beschreibt den Fortschritt des Landes als sozial ausgewogen: Die Armut wurde um mehr als die Hälfte verringert, und der Zugang zu hochwertigen Gesundheits-, Ausbildungs- und Sozialdienstleistungen wurde ausgebaut.

Tatsächlich hat die türkische Wirtschaft seit 2009 vier Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen, und viele von ihnen gingen an hoch qualifizierte Arbeitnehmer. Sowohl innerhalb des Landes als auch im Vergleich zu anderen OECD-Mitgliedern wurden dadurch die Unterschiede beim Gesundheitswesen und in der Ausbildung deutlich reduziert.

Darüber hinaus gehört die Türkei bei der Qualität ihrer Infrastruktur in den Bereichen des Transportwesens, der Telekommunikation und der Energieversorgung zu den Ländern mit den schnellsten Verbesserungen. Und während der Finanzkrise von 2008 war die Türkei das einzige OECD-Land, das seine Banken nicht mit öffentlichen Geldern stützen musste.