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Türkei und der IWF

CAMBRIDGE: Ohne Vorwarnung ist die Türkei in die finanzielle Krise abgerutscht. Innerhalb weniger Tage mussten 6 Milliarden US-Dollar in Fremdwährung aufgrund eines Versuchs zur Stärkung der Lira verloren gegeben werden. Übrig bleiben nur 18 Milliarden US-Dollar, was kaum für eine Woche ausreichen dürfte, wenn eine umfassende Stützung des Wechselkurses erforderlich werden sollte.

Anders als bei anderen Krisen hat sich der IWF rechtzeitig eingeschaltet und sowohl genügend Geldmittel als auch das notwendige Politik-Engagement geliefert, um seinen Rettungsplan glaubwürdig zu machen. Also ein doppeltes Hurra für den IWF, der eine unnötige Krise abwendet. Kompliment auch an die türkischen Parteiideologen, die sich an die Regeln des IWF halten.

Seit der Asien-Krise von 1997 wurde die Politik des IWF angegriffen. Mit der Entwicklung der Ereignisse in der Türkei müssen wir uns die Frage stellen: Gibt es Alternativen zum Regime des IWF? Die Mühen, die ein kurzer Zeitraum eines vom IWF verordneten hohen Zinssatzes mit sich bringt, sind – so glaube ich – weit geringer als die, die einer Verhängung von Steuerung des Kapitals oder dem Zusammenbruch der Währung und des Bankensystems folgen würden.

Die Türkei befand sich seit Jahren am Rande einer Krise. Ihre Haushaltsdefizite und die gegenwärtigen Defizite im Rechenschaftsbericht sind umfassend, die öffentliche Verschuldung ist hoch, das Bankensystem ist in einem schlechten Zustand und die kurzfristige Verschuldung im Ausland ist, an den Reserven gemessen, relativ hoch. Die türkische Politik, die vom Missbrauch der Menschenrechte über islamischen Fundamentalismus bis hin zu tief verwurzelter Korruption reicht, macht die Angelegenheit noch komplizierter. Bei so viel Zunder ist es ein Wunder, dass es nicht schon viel eher zu einem Lauffeuer gekommen ist.