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Die Türkei, Armenien und die Last der Erinnerung

Alle Kriege gehen irgendwann zu Ende. Die Erinnerungen an die begangenen Gräueltaten jedoch scheinen nie zu verblassen; die derzeit in China stattfindenden, von der dortigen Regierung angeheizten antijapanischen Ausschreitungen erinnern uns daran. Der 90. Jahrestag der von den Jungtürken des Ottomanischen Reiches angeordneten und von den Kurden geholfenen Massaker an den Armeniern ist eine weitere Wunde, die einfach nicht heilen will. Diese Wunde muss jedoch behandelt werden, falls der Fortschritt der Türkei auf dem Wege zur Mitgliedschaft in der Europäischen Union reibungslos vonstatten gehen soll.

Es wird angenommen, dass der Völkermord an den Armeniern die Nazis zu ihren Plänen zur Auslöschung der Juden inspirierte. Anders als beim Holocaust wissen jedoch die meisten Menschen sehr wenig über dieses dunkle Kapitel.

Tatsächlich ist für die meisten von uns das Ausmaß des Leids und der Verheerung, welche dem armenischen Volk und dem Heimatland seiner Vorfahren zugefügt wurden, schwer vorstellbar. Viele Mitglieder der heute sehr erfolgreichen weltweiten armenischen Diaspora jedoch haben damals direkte Angehörige verloren und führen eine Tradition der mündlichen geschichtlichen Überlieferung fort, die die Erinnerungen am Brennen hält.

Es ist insbesondere eine Ironie, dass viele Kurden aus den südöstlichen Provinzen der Türkei, denen man als Belohnung für die Tötung der Ungläubigen das Vermögen der Armenier und einen Platz im Himmel versprach, willige Komplizen an diesem Völkermord waren. Sie erwiesen sich später als die Verlierer in einer langen Geschichte der Gewalt zwischen ihren eigenen separatistischen Kräften und der türkischen Armee und wurden einer fortdauernden Politik der Diskriminierung und der Zwangsassimilierung ausgesetzt.