Tuberkulose oder Haarausfall? Neuausrichtung der medizinischen Forschung

PRINCETON – In einer idealen Welt wäre die Geldsumme, die wir für medizinische Forschung ausgeben würden, um einer Krankheit vorzubeugen oder sie zu heilen, proportional zu ihrer Bedrohlichkeit und der Anzahl der Menschen, die daran leiden. In der wirklichen Welt werden 90 % des Geldes, das in die medizinische Forschung fließt, für Leiden aufgewendet, die für lediglich 10 % der Todesfälle und Behinderungen verantwortlich sind, die global durch Krankheiten verursacht werden.

In anderen Worten: Die Krankheiten, die neun Zehntel der „globalen Krankheitsbelastung“, wie die Weltgesundheitsorganisation es nennt, verursachen, erhalten nur ein Zehntel des weltweiten medizinischen Forschungsaufwands. In der Folge sterben jedes Jahr Millionen von Menschen an Krankheiten, für die keine neuen Medikamente in Vorbereitung sind, während die Pharmaunternehmen Milliarden in die Entwicklung von Mitteln gegen Erektionsstörungen und Haarausfall stecken.

Doch ist es zu einfach, den Pharmaunternehmen die Schuld zu geben. Sie können die Entwicklung neuer Medikamente nicht rechtfertigen, wenn sie nicht davon ausgehen können, dass sie ihre Kosten durch den Verkauf wieder einnehmen. Wenn sie sich auf Krankheiten spezialisieren, die wohlhabende Menschen befallen oder Menschen, die in Ländern mit staatlicher Krankenversicherung leben, können sie alle neuen Medikamente, die sie erfinden, patentieren lassen. In der Laufzeit des Patents von 20 Jahren haben sie ein Monopol auf den Verkauf des Medikaments und können hohe Preise diktieren.

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