Alex Tsipras Greece Wassilios Aswestopoulis/ZumaPress

Griechenlands doppelte Tragödie

BERLIN – Griechenland muss einem wirklich leidtun. Zuerst, nach 2009, wurde es zum Experimentierfeld für eine die Krise der Wirtschaft des Landes noch verstärkenden Austeritätspolitik der Troika (EU, EZB, IWF) gemacht. Und dann haben die Griechen eine Regierung gewählt, die offensichtlich wild entschlossen ist, das Land endgültig in den Abgrund zu stürzen.

Dabei hatte die neu gewählte Regierung unter Ministerpräsident Tsipras zu Beginn ihrer Amtszeit eine sehr große Chance, die sie allerdings im Rausch des Wahlsieges in kürzester Zeit vertan hat. Denn selbst unter den Konservativen in Berlin hatte damals ein Stimmungsumschwung stattgefunden in Richtung einer Überprüfung und Lockerung der Austeritätspolitik der Troika. Ein neuer, mehr wachstums- und weniger austeritätsorientierter Kompromiss war möglich geworden. Denn selbst die Hardcore-Austeritätspolitiker in den Reihen der deutschen Konservativen und ganz gewiss die Bundeskanzlerin waren nachdenklich geworden angesichts der nicht mehr zu übersehenden negativen politischen Folgen ihrer Austeritätspolitik im europäischen Süden für die Stabilität von EU und Währungsunion.

Die neue Regierung in Athen hätte sich mit einigem Recht als die große Chance Europas in Brüssel und den Hauptstädten präsentieren können, die es ernst meint mit einem weitreichenden Reform- und Modernisierungsprogramm für das Land. Selbst die notwendigen sozialen Korrekturen zugunsten der Ärmsten der Armen sind in Europa auf viel Sympathie und Verständnis gestoßen, das noch verstärkt worden wäre, wenn Athen damit begonnen hätte, zu diesem Zweck den aufgeblähten Verteidigungsetat zu kürzen, was man von einer erklärten „Linksregierung“ eigentlich erwarten sollte.

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