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Trump gegen den Westen

NEW YORK – In weniger als 50 Tagen werden wir wissen, wer der nächste Präsident der Vereinigten Staaten sein wird. Obwohl die demokratische Kandidatin Hillary Clinton in den nationalen Umfragen vorn liegt, scheint es doch knapp zu werden. Das bedeutet, dass ihr republikanischer Gegner Donald Trump durchaus gewinnen könnte. Tatsächlich prüfen US-amerikanische Beobachter gerade, was die ersten 100 Tage der Amtszeit eines Präsidenten Trump mit sich bringen würden. Das Ergebnis stimmt nicht optimistisch.

Mit der Kandidatur von Trump ist die Realität unglaublicher geworden als die Fiktion. Kein Drehbuchschreiber aus Hollywood hätte es gewagt, sich einen Präsidentschaftskandidaten - und erst recht nicht einen Präsidenten - auszudenken, der so lächerlich ist wie Donald Trump. Kevin Spaceys Frank Underwood, die böse und hinterhältige Hauptfigur der amerikanischen Fernsehserie House of Cards, der während der Serie auch nicht vor einem Mord zurückschreckt, sieht im Vergleich dazu wie eine Mischung aus Kant und Lincoln aus.

Trump ist Amerikas Reality-TV-Mussolini. Er ist nicht nur ein Populist und ein isolationistischer Politiker, er ist gleichzeitig auch deren Karikatur. Wenn ihn amerikanische Wähler zum Präsidenten wählen, hätten sie geschafft, was weder die Sowjetunion während des Kalten Krieges noch die islamistischen Fundamentalisten heute geschafft haben: die Untergrabung des demokratischen Systems der einzigen Weltmacht.

Nehmen wir die Hilfe, die Trump von dem russischen Präsidenten Wladimir Putin erhält, der zweifellos der prominenteste autoritäre Widersacher des Westens ist. Angesichts der Verunglimpfung des demokratischen Modells des Westens sieht der Herr des Kremls die Kandidatur Trumps als ein Geschenk Gottes. Trumps Wahl würde ein für allemal beweisen, dass trotz des nun bereits zwei Jahrhunderte währenden Kampfes gegen den Geist der Aufklärung, gegen Vernunft und Freiheit, die Götter des Despotismus ihre irdischen Handlanger nicht verraten haben.