15

Die Republikaner bändigen den Tiger Trump

CAMBRIDGE – Im Lauf einer typischen Woche Ende Mai machte der voraussichtliche US-Präsidentschaftskandidat der Republikaner, Donald J. Trump, wieder einmal Schlagzeilen. Er erklärte einen beliebten früheren Präsidenten zum „Vergewaltiger“; er änderte seine Haltung zu einer politischen Strategie nach der anderen; er prahlte, praktisch „jeder“, der ihn unterstütze könne sein Vizepräsidentschaftskandidat werden; und er teilte der National Rifle Association mit, dass Hillary Clinton, die wahrscheinliche Kandidatin der Demokraten, „gewalttätige Verbrecher aus dem Gefängnis entlassen“ würde.

Vielleicht am bedenklichsten aus globaler Perspektive: nur Stunden nach dem Absturz einer Maschine der EgyptAir in das Mittelmeer und bevor überhaupt gesicherte Fakten vorlagen, zog Trump bereits seine eigenen Schlüsse aus den Geschehnissen und brandmarkte Amerikas „Schwäche“ im Angesicht des Terrorismus.

Praktisch alle Bemühungen, die Kandidatur Trumps zu verhindern, kamen zum Stillstand.  Republikaner aus dem Establishment der Partei gewöhnen sich allmählich an den Gedanken, dass ihre Partei von einem ungehobelten, narzisstischen, ahnungslosen und launenhaften Rüpel übernommen wurde. „Es ist gescheiter, die Bestie zu zähmen als zu versuchen sie zu ignorieren”, erklärte ein ehemaliger republikanischer Mitarbeiter des Senats.

Viele versuchten tatsächlich, ihn zu ignorieren. Gerade als Trump letzten Sommer seine Kandidatur angekündigt hatte, begannen Experten und Politikwissenschaftler überzeugende Gründen dafür zu finden, warum seine Kampagne wenig aussichtsreich sei.